{"id":7945,"date":"2012-11-04T12:34:37","date_gmt":"2012-11-04T11:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=7945"},"modified":"2013-10-21T22:44:28","modified_gmt":"2013-10-21T21:44:28","slug":"im-knast-in-kolumbien-ein-bericht-von-miguel-angel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/im-knast-in-kolumbien-ein-bericht-von-miguel-angel","title":{"rendered":"Im Knast in Kolumbien \u2013 Ein Bericht von Miguel \u00c1ngel"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Miguel-\u00c1ngel-Beltr\u00e1n-Villegas.jpg\" rel=\"lightbox[7945]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-7946\" title=\"Miguel \u00c1ngel Beltr\u00e1n Villegas\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Miguel-\u00c1ngel-Beltr\u00e1n-Villegas-182x250.jpg\" alt=\"Miguel \u00c1ngel Beltr\u00e1n Villegas\" width=\"127\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Miguel-\u00c1ngel-Beltr\u00e1n-Villegas-182x250.jpg 182w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Miguel-\u00c1ngel-Beltr\u00e1n-Villegas.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 127px) 100vw, 127px\" \/><\/a>\u00fcbernommen von www.kolumbieninfo.blogspot.de<\/em><\/p>\n<p>Miguel \u00c1ngel Beltr\u00e1n Villegas ist ein Soziologe und Historiker der Nationalen Universit\u00e4t von Kolumbien. Vor seiner Verhaftung lehrte er an Universit\u00e4ten in Kolumbien und in Mexiko. Besch\u00e4ftigt war er unter anderem an der Nationalen Autonomen Universit\u00e4t von Mexiko (UNAM). Dort wurde er im Mai 2009 festgenommen und nach Kolumbien deportiert. Ihm wurde vorgeworfen, Kontakte zur Guerilla und Mitglied der der Internationalen Kommission der FARC-EP zu sein. Dabei st\u00fctzte man sich auf die mittlerweile nicht mehr verwendbaren Daten, die auf dem manipulierten Computer von FARC-EP-Mitglied Ra\u00fal Reyes. Am 3. Juni 2011 wurde er nach mehr als zwei Jahren freigelassen und die Anklage fallen gelassen. Oft wird Miguel \u00c1ngel nach seinen Erlebnissen in der Haft befragt, die hier ebenfalls ausschnittsweise dokumentiert werden.<!--more--><\/p>\n<p>Seiner Meinung nach ist die aktuelle Situation der politischen Gefangenen sehr kritisch. Die Bedingungen, in denen die Gefangenen leben m\u00fcssen, verletzen alle minimalen Standards der Grundbed\u00fcrfnisse eines Menschen. Dies betrifft fast alle Gefangenen und ist nicht nur abh\u00e4ngig von wenigen Punkten sondern umfasst alle physischen und psychischen Bereiche, insbesondere diejenigen, die mit der \u00dcberbelegung zu tun haben.<\/p>\n<p>Miguel erz\u00e4hlt zum Beispiel, wie in einer Zelle, die f\u00fcr drei bis vier Personen ausgelegt war, zeitweise sechs oder sieben Gefangene lebten. Sechs oder sieben Personen in einer kleinen Zelle, in der unter anderem auch die intimen Besuche empfangen werden mussten. Aber auch die jeweiligen Familien waren \u00fcber die Zust\u00e4nde schockiert und demzufolge genauso betroffen, wie die Gefangenen selbst. Er beschreibt, wie die Besuche, zum Beispiel von Familien oder Partnern, die Zust\u00e4nde in den Zellen ertragen mussten. Es gab keine Privatsph\u00e4re und sie waren den Aggressionen der anderen Gefangenen und den allgemeinen Lebensbedingungen ebenso ausgesetzt.<\/p>\n<p>Weiterhin widmet er sich in seinen Ausf\u00fchrungen den neuen Gef\u00e4ngnissen, die mit dem Geld des \u201ePlan Colombia\u201c unter der \u00c4ra Uribe gebaut worden sind. Er bem\u00e4ngelt an den Gef\u00e4ngnissen, dass diese so gebaut werden, dass kein Sonnenlicht in die Gem\u00e4uer eindringen kann. Oftmals gibt es keine Heizsysteme, gerade in den hohen k\u00fchleren Regionen f\u00fchrt dies h\u00e4ufig zu Krankheiten. Hinzu kommt die Durchl\u00e4ssigkeit von Wind, so dass die Gefangenen permanent in Decken eingeh\u00fcllt sind. Es gibt keine privaten R\u00fcckzugsr\u00e4ume, selbst die B\u00e4der beim Duschen und die Toiletten zur Notdurft sind offen. Das Fehlen von T\u00fcren in den sanit\u00e4ren Anlagen ist ein gro\u00dfer Eingriff in die Intimit\u00e4t der Gefangenen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem sind die Beschr\u00e4nkungen und die Lebensumst\u00e4nde in den Gef\u00e4ngnissen. Es gibt ein System von Schikanen, die oftmals sehr willk\u00fcrlich geschehen. Hierzu z\u00e4hlen das Verbot von Besuchen und Anw\u00e4lten, oder Einschr\u00e4nkungen die Bibliothek zu nutzen, soweit eine vorhanden ist. Gef\u00e4hrlich, beziehungsweise als gro\u00dfen Einschnitt in das Gef\u00e4ngnisleben, wird die Zusammenlegung der verschiedenen Gefangenen gesehen. Eine Schikane kann zum Beispiel sein, dass man als politischer Gefangener mit rechten Paramilit\u00e4rs zusammengelegt wird. Jeder kann sich die Situation vorstellen, wenn man im selben Ort mit einem Chef einer paramilit\u00e4rischen Einheit zusammenleben muss, der die Familie eines politischen Aktivisten auf dem Gewissen hat. Selbst innerhalb der Gef\u00e4ngnismauern hat man keinen Schutz vor deren Gewalt.<\/p>\n<p>Auch Gesundheit und Ern\u00e4hrung sind ein Problem, erkl\u00e4rt Miguel. Die Lebensmittel haben keine gute Qualit\u00e4t und besonders f\u00fcr kranke Menschen, als Beispiel nennt er hier die Zuckerkranken, gibt es eine ungen\u00fcgende Versorgung. In den Gef\u00e4ngnissen gibt es keinen Anspruch auf eine ausgewogene Ern\u00e4hrung oder eine medizinische Versorgung. Wenn die Situation schon au\u00dferhalb der Gef\u00e4ngnisse f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung unzureichend ist, dann ist sie in den Gef\u00e4ngnissen erst recht sehr prek\u00e4r. Zu Schluss kommt er noch auf die Sicherheitskr\u00e4fte und die Politik des nationalen Gef\u00e4ngniswesens zu sprechen. Die Gefangenen werden von den Sicherheitskr\u00e4ften und W\u00e4rtern nicht nur verbal, sondern auch k\u00f6rperlich angegriffen. Das kolumbianische Gef\u00e4ngnissystem und die Beh\u00f6rde INPEC sind sehr repressiv ausgerichtet und haben nicht das Geringste mit Resozialisierung zu tun. Ein Gefangener, der schon seine Freiheit verloren hat, verliert hier auch noch seine Menschlichkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00fcbernommen von www.kolumbieninfo.blogspot.de Miguel \u00c1ngel Beltr\u00e1n Villegas ist ein Soziologe und Historiker der Nationalen Universit\u00e4t von Kolumbien. Vor seiner Verhaftung lehrte er an Universit\u00e4ten in Kolumbien und in Mexiko. 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