{"id":8032,"date":"2012-11-29T15:06:57","date_gmt":"2012-11-29T14:06:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=8032"},"modified":"2012-12-03T19:37:19","modified_gmt":"2012-12-03T18:37:19","slug":"vogelperspektiven-knastkampf-ist-klassenkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/vogelperspektiven-knastkampf-ist-klassenkampf","title":{"rendered":"\u201eVogelperspektiven\u201c \u2013 Knastkampf ist Klassenkampf !"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/vogel-\u00fcber-der-knastmauer.jpg\" rel=\"lightbox[8032]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-7651\" title=\"Vogel \u00fcber der Knastmauer - Freiheit\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/vogel-\u00fcber-der-knastmauer-250x131.jpg\" alt=\"Vogel \u00fcber der Knastmauer - Freiheit\" width=\"200\" height=\"105\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/vogel-\u00fcber-der-knastmauer-250x131.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/vogel-\u00fcber-der-knastmauer.jpg 476w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><em>\u00fcbernommen von <a href=\"http:\/\/radiochiflado.blogsport.de\/2012\/11\/28\/vogelperspektiven-knastkampf-ist-klassenkampf\/\" target=\"_blank\">radiochiflado.blogsport.de<\/a><\/em><\/p>\n<p>Ende des Jahres werden in vielen Orten der Welt<em> Knastkundgebungen<\/em> stattfinden, so auch hierzulande in z.B. <a href=\"http:\/\/silvesterzumknast.nostate.net\/\" target=\"_blank\">Berlin<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/2012\/11\/frankfurt-silvesterkundgebung-linke-geschichte-verteidigen-solidaritat-mit-sonja-und-christian\/\" target=\"_blank\">Frankfurt<\/a>, K\u00f6ln, Hamburg, Stuttgart und Freiburg. Ritualm\u00e4ssig werden auch Vertreter*innen verschiedener Gruppierungen einmal im Jahr ihre Reden zur Weltlage, vielleicht auch zum Gef\u00e4ngnis halten. Oft richten sich diese Beitr\u00e4ge mehr an die Anwesenden der Kundgebungen und weniger an die Gefangenen selber.<br \/>\nDa wird dann schon mal ein Philosoph zitiert, oder sich an \u201eWerttheorien\u201c abgearbeitet und ihre Sicht der verschiedenen Aufst\u00e4nde in der Welt erkl\u00e4rt &#8212; es sind dann oft Menschen mit akademischen, b\u00fcrgerlichem Hintergrund, die allerdings pers\u00f6nlich jeden direkten Kontakt mit dem Knast vermeiden(wollen). Da wird dann als Knastvermeidungsstrategie kr\u00e4ftig an die Justizkasse gezahlt oder mensch entdeckt den Arbeitszwang neu f\u00fcr sich \u2013<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDies f\u00fchrt dann dazu, da\u00df die Gefangenen oft zwar mitbekommen, da\u00df da gerade \u201edraussen\u201c was ist, aber selten wissen, was genau.<br \/>\nSo wird dann auch in Gespr\u00e4chen mit Gefangenen \u00fcber z.b. die Silvesterkundgebungen h\u00e4ufig die fehlende Kommunikation zwischen draussen und drinnen genannt bzw. von einer sehr d\u00fcnnen, die sich auf dem Weg verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n<p>Um so erfreulicher, da\u00df in den n\u00e4chsten Tagen wieder was Geschriebenes aus dem Knast selbst kommt, das Buch \u201eVogelperspektiven\u201c von<em> Thomas Braven<\/em> (wieder) erscheinen wird. Thomas Braven ist ein Pseudonym. Der Text, wohl im Gef\u00e4ngnis geschrieben, erschien zum ersten Mal 1989 im \u201eParanoia Verlag\u201c in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><em>Anarchist Black Cross<\/em> wird dieses Buch im Dezember neu herausgeben.<\/p>\n<p>Im folgenden das (gek\u00fcrzte) Nachwort der <em>Originalausgabe<\/em>. Dazu zwei kurze Anmerkungen: F\u00fcr uns sind nicht alle Formen des t\u00e4glichen \u00dcberlebenskampfes \u201ekonterrevolution\u00e4r\u201c und das sich Orientieren an und Ausrichten nach der Propaganda der Herrschenden ist ne Sache, die leider noch heute bei vielen Linken vorhanden ist.<\/p>\n<blockquote><p><em>F\u00fcr mich war einfach klar, dass ich ein Leben wie meine Eltern nie leben werde. Ich wollte so lange klauen und rauben, bis ich die Kohle f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Leben zusammenhabe. Ich wollte nicht immer als Metzger f\u00fcr ein paar Mark schuften, die hinten und vorne nicht reichen, ich wollte Zeit f\u00fcr meine k\u00fcnftige Familie, f\u00fcr mich, ich wollte leben und nicht nur am Leben sein. Fr\u00fcher dachte ich manchmal, der Knast ist der Preis daf\u00fcr und ich bin selbst schuld. Aber selbst schuld bin ich nur insofern, als ich mich erwischen lie\u00df. Die Zust\u00e4nde, dass ein paar Millionen gut leben auf Kosten von Milliarden, sind der Grund, der Leute erst zu Diebe und R\u00e4ubern werden l\u00e4sst. Keine(r) kommt auf die Welt und bringt das mit. Die Zust\u00e4nde, in denen er\/sie lebt und aufw\u00e4chst und die Natur, die in ihnen wohnt, werden dann bestimmen, ob Unterdr\u00fccker*in oder Ausbeuter*in oder Ameise aus ihnen wird oder eine(r), die die Gesetze, die b\u00fcrgerliche Moral, die Normen missachtet.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Anfang meiner Knastzeit fragte ich mich: Wie kann ich den angehenden Ganoven Tipps geben, damit sie nicht die gleichen Fehler machen. Lieber warten und richtig absahnen, nicht laufend hier und da was klauen, war meine These, denn das Gesetz der Serie wird sie oder ihn ereilen und in den Knast bringen. Lange Zeit war ich f\u00fcr das Ganoventum, weil ich es f\u00fcr den einzigen realisierbaren Weg hielt um diesem Druck, diesem Muss, dieser Ausbeutung zu entkommen. Aber das ist ein Trugschluss; als revolution\u00e4r muss Mensch so eine(n) als konterrevolution\u00e4r bezeichnen und zwar, weil damit dem Staatsapparat zwangsl\u00e4ufig die Legalit\u00e4t der Kn\u00e4ste und des Polizeiapparates zugespielt wird. <\/em><\/p>\n<p><em>Es wird den Arbeiter*innen suggeriert, dass ihre Habseligkeiten, ihr bisschen Erarbeitetes und Erschuftetes vor den Kriminellen gesch\u00fctzt werden muss. Und wenn Mensch nicht geschnappt wird, zeigt das nur, dass der Polizeiapparat noch besser werden muss. Es wird verschleichert, dass die Bullen nur dazu dienen, die zusammengeraubten Reicht\u00fcmer der Herrschenden zu besch\u00fctzen, ihre macht \u00fcber das Volk zu sch\u00fctzen, es wird verschleiert, wer die Hunde und wird die Schafe sind.<\/em> <em> <\/em><\/p>\n<p><em>Im Laufe meiner Knastzeit entstand in mir immer mehr der Wunsch, gegen die Herrschenden zu k\u00e4mpfen! Es war mir anfangs eigentlich egal wo, ob in Nicaragua oder in Kolumbien, aber lange dachte ich nicht an das Hier, an die BRD, an Europa. Das lag auch daran, dass ich noch das Abenteuer im Unterbewusstsein hatte. Dass da Tr\u00e4ume ausgelebt werden wollten. Das f\u00fchrte weg von dem hier, in die Ferne.<\/em><\/p>\n<p><em>Geld kann nix ersetzen, deswegen ist ein Zusammenschluss von Leuten, die nur \u201eKohle\u201c als gemeinsames Ziel vor Augen haben, zum Scheitern verurteilt. Denn damit wird nur das eigene Ego gestillt und deswegen gibt es auch so unendlich viel Verrat, jede(r) will so gut wie m\u00f6glich abschneiden, egal wie viele auf der Strecke bleiben, von daher haben die \u201eKriminellen\u201c dieselbe Moral wie die Kapitalist*innen \u201eauf Kosten von anderen\u201c. Wo menschliche Werte das gemeinsame Interesse bestimmen, ist eben ein Zusammenhalt, eine St\u00fctze da, gibt es kaum Verrat oder Abweichungen, au\u00dfer wenn die Basis nicht ehrlich genug ist. Das zeigt, wer \u00fcberzeugt ist von der Richtigkeit ihres Handelns wird solange stark bleiben wie er\/sie selbst Kraft hat und auf die Unterst\u00fctzung der Genoss*innen bauen kann. Es kommt darauf an, wie stark das gegenseitige Vertrauen ineinander ist, wie wertvoll das Ziel, wie sehr sich eine(r) damit identifiziert. Es kommt darauf an, wie genau sie\/er arbeitet. Mit 08\/15 ist nix mehr drin und das gilt f\u00fcr alles\u2026.<\/em><\/p>\n<p><em>Alles ben\u00f6tigt genaue Kenntnisse, genaues entschlossenes Arbeiten und Handeln, nur dann ist ein Erfolg in Aussicht. Was nie fehlen darf, ist Liebe und Vertrauen, Hoffnung und Geduld und eben der Wille, gemeinsam gegen die Zust\u00e4nde zu k\u00e4mpfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die meisten Kriminellen \u2013 also die, die die Kn\u00e4ste f\u00fcllen \u2013 und es gibt weitaus mehr, die nie einen Tag Knast machen werden, weil sie zu gut abgesichert sind, weil sie einen festen Platz in der Gesellschaft haben \u2013 haben keinen Kodex. Sie ver\u00fcben ihre Taten aus der Notlage raus. Viele in betrunkenem Zustand oder unter Einfluss von Drogen. Sie drehen was ohne sich genau im Klaren zu sein, wie das aussehen soll. Von detaillierter Planung kann nur in den seltensten F\u00e4llen gesprochen werden. Es sind also mehr spontane Reaktionen, die sie als Antwort auf das haben, was sie in die Marginalit\u00e4t getrieben hat und sie tun`s, um ihre Tr\u00e4ume von einem unabh\u00e4ngigen Leben in die Realit\u00e4t umzusetzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Von daher kann Mensch auch nicht sagen, dass es in diesen Reihen organisierte Kriminelle gibt. Das Einzige, was sie als solche auszeichnet, sind die drakonischen Strafen.<br \/>\nWas nat\u00fcrlich nicht hei\u00dft, es g\u00e4be keine organisierte Kriminalit\u00e4t. Wie ich oben schon ausf\u00fchrte, l\u00e4uft sie in den Gesellschaftsschichten ab, die die Massen beherrschen. Ich brauche hier keine Aufz\u00e4hlung vornehmen, die h\u00e4tte auch gar keinen Platz, weil sie mehr als ein Buch f\u00fcllen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p><em>Solange wir nicht zu uns selbst gefunden haben und das tun, was wir wollen, so lange wir nicht bereit sind, f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben zu wollen, so lange werden sie uns benutzen, ausbeuten und unterdr\u00fccken, so lange werden Milliarden im Elend leben und t\u00e4glich Tausende am Hungertod sterben.<br \/>\nAuf, bewegt euch, denkt nach, es ist nie zu sp\u00e4t f\u00fcr einen Anfang, auch ich hab ne Ewigkeit gebraucht. K\u00e4mpfen wir gemeinsam? \u2026.<\/em><\/p>\n<p><em>\u2026. Die Mehrzahl von uns kommt ja nicht aus purem Zufall aus dem Proletariat. Wir haben versucht, dem widernat\u00fcrlichen Charakter des Kapitals auf die Art zu entgehen, dass wir Diebstahl und Betr\u00fcgereien, Raub\u00fcberf\u00e4lle und was wei\u00df ich begangen haben. Die Meisten sind das also geworden, weil sie die Lohnarbeit verweigern, aber am Konsum teilnehmen wollen. Sie sind auf diese Weise Gefangene des Systems, wie auch die, die sich politische Gefangene nennen. Ich pers\u00f6nlich lehne die Bezeichnung \u201epolitisch\u201c allgemein ab.<br \/>\nManche haben in den Gef\u00e4ngnissen ein revolution\u00e4res Bewusstsein erlangt und es wird sich in der Folge zeigen, ob sie dessen gerecht werden. Aber ihr werdet lernen m\u00fcssen, uns als Militante zu begreifen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nie sind wir gefragt worden, ob wir einverstanden sind, \u201esoziale Gefangene\u201c genannt zu werden. Es erinnert mich daran, dass auch die Gesetze und Regeln, die uns unterdr\u00fccken und uns am Menschsein hindern, sowie die Ausrottung ganzer V\u00f6lker von Eliten bestimmt wurden. Ich denke, es ist Zeit dar\u00fcber nachzudenken, um einen Schlussstrich unter Vergangenes zu setzen. Um wirklich eine ehrliche Basis zu haben f\u00fcr gemeinsame K\u00e4mpfe. Bisher kann uns nur ein und derselbe Feind als Bindung zueinander dienen, das ist zu wenig, zu wenig auch deswegen, weil ich daran glaube, das Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft zu erreichen.<br \/>\nWarum sind so viele Genoss*innen nicht bereit, eine Gesellschaft ohne Kn\u00e4ste anzustreben? Wohl doch nur, weil die Kn\u00e4ste auch in ihrem Gesellschaftsbild als notwendiges Machterhaltungs- und Unterdr\u00fcckungsmittel angesehen werden<\/em><\/p>\n<p><em><strong>F\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Gef\u00e4ngnisse und Psychiatrien !<br \/>\nF\u00fcr die Abschaffung der Arbeit !!<br \/>\nF\u00fcr eine klassenlose Gesellschaft<br \/>\nF\u00fcr die Abschaffung jeglicher Macht<br \/>\nTotale Amnestie f\u00fcr alle !!!<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00fcbernommen von radiochiflado.blogsport.de Ende des Jahres werden in vielen Orten der Welt Knastkundgebungen stattfinden, so auch hierzulande in z.B. Berlin, Frankfurt, K\u00f6ln, Hamburg, Stuttgart und Freiburg. Ritualm\u00e4ssig werden auch Vertreter*innen verschiedener Gruppierungen einmal im Jahr ihre Reden zur Weltlage,&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[9,462],"tags":[407,184,533],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8032"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8032"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8032\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8052,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8032\/revisions\/8052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}