{"id":8048,"date":"2012-12-09T21:48:18","date_gmt":"2012-12-09T20:48:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=8048"},"modified":"2014-12-19T00:22:31","modified_gmt":"2014-12-18T23:22:31","slug":"silvester-zum-knast-31-dezember-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/silvester-zum-knast-31-dezember-2012","title":{"rendered":"Silvester zum Knast &#8211; 31. Dezember 2012"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/silvesterzumknast.nostate.net\/\"><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/silvesterzumknast.nostate.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/silvester-knastdemo-2012_banner.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"130\" \/><\/strong><\/a><\/p>\n<p><em>Lasst uns gemeinsam am 31. Dezember 2012 gegen Gef\u00e4ngnisse und Zwangsanstalten demonstrieren, um unsere Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen auszudr\u00fccken. Nachmittags gehen wir zum Lichtenberger Frauengef\u00e4ngnis und am Abend vor die JVA Moabit.<\/em><\/p>\n<p><span class=\"dropcap\">G<\/span>ef\u00e4ngnisse als Teil gesellschaftlicher Zurichtung<\/strong><\/p>\n<p>Gef\u00e4ngnisse standen seit ihrer Einf\u00fchrung daf\u00fcr gesellschaftliche Konflikte wegzusperren und unliebsame Teile aus der Gemeinschaft zu isolieren. Patriarchale Herrschaftssicherung wurde dabei gerade in der fr\u00fchen Form der \u201eZuchth\u00e4user\u201c deutlich, in denen vermeintliche Bettler_innen, \u201eumherstreifendes Gesindel\u201c, \u201earbeitsscheue Menschen\u201c, so genannte \u201esittlich verwahrloste Frauen\u201c und Sex-Arbeiterinnen verschwanden und ausgebeutet wurden.<\/p>\n<p>Die kapitalistische Verwertungslogik bewirkt, dass immer mehr Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben ohne Konflikte mit den herrschenden Gesetzen zu gestalten. Armut, fehlende soziale Netzwerke und Zeitmangel f\u00fchren dazu, dass viele ihre Schulden nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen und immer h\u00e4ufiger ihrer Freiheit beraubt werden. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich in vielen Gegenden der Welt beobachten.<\/p>\n<p>Menschen, die sich organisieren und gegen kapitalistische, rassistische, sexistische und andere Gewalt wehren, bekommen oft die volle Kraft der staatlichen Repression zu sp\u00fcren. Haft als Sanktionierung politischen Widerstands ist inzwischen \u00fcberall zum allt\u00e4glichen Problem geworden. Auch die \u00dcberwachungsparagraphen 129a und b dienen den Herrschenden dazu, nach Belieben Widerst\u00e4ndige auszuspionieren und einzusperren, sowie ihre Angeh\u00f6rigen und Genoss_innen einsch\u00fcchtern zu k\u00f6nnen. G\u00fclaferit \u00dcnsal wird seit \u00fcber einem Jahr im Lichtenberger Frauengef\u00e4ngnis festgehalten und nach 129b in einem politischen Prozess in Moabit vermutlich demn\u00e4chst als vermeintliche \u201eTerroristin\u201c verurteilt. Ein weiterer Hintergrund in diesem Schauprozess ist auch das Interesse des deutschen Staates ungehindert polizeiliche Hoheit im europ\u00e4ischen Umland auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Wir wollen verschiedene stattfindende K\u00e4mpfe gegen die Logik der Disziplinierung und Kontrolle zusammenbringen, ohne die ihnen eigenen Merkmale und Besonderheiten zu verwischen. Wir m\u00f6chten, dass klar wird, warum der Knast uns alle angeht. \u201eNiemand ist frei, bis wir alle frei sind\u201c ist keine Phrase vergangener Tage. In Diskussionen tauchen immer wieder die Fragen auf, welche Gefangenen zu unterst\u00fctzen seien oder welche Alternativen den Knast abl\u00f6sen k\u00f6nnten. Dabei wird deutlich, dass wir permanent gemeinsame Kritik \u00fcben m\u00fcssen, um zu verhindern, dass der Komplex der verschiedenen Gef\u00e4ngnisse und Zwangsanstalten in unseren K\u00f6pfen \u00fcberdauert. Wir wollen uns nicht der Logik f\u00fcgen, die den Knast am Leben erh\u00e4lt. Wir sehen die \u00dcberwindung aktuelle Strafdiskurse \u2013 wie sie derzeit beispielsweise vom Neuk\u00f6llner Bezirksb\u00fcrgermeister Buschkowsky medial angefeuert werden \u2013 als wichtigen Bestandteil auf dem Weg zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Gef\u00e4ngnisse und das M\u00e4rchen der \u201eResozialisierung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen einen Zusammenhang dazwischen, wie uns der Knast von Menschen trennt, die gegen herrschendes Recht versto\u00dfen haben und den Praktiken, in denen Menschen beispielsweise ohne Lohnarbeit, Geld, Papiere, akzeptiertem Geschlecht oder Sexualit\u00e4t, Herkunft oder ethnisierbare Merkmale ausgegrenzt und ausgebeutet werden.<\/p>\n<p>Deswegen verwundert es nicht, dass hinter den Gef\u00e4ngnismauern haupts\u00e4chlich diejenigen zu finden sind, die gesellschaftlich besonders ausgegrenzt sind und ein ungleich h\u00f6heres Risiko tragen m\u00fcssen, Diskriminierung und Gewalt zu erleben. Wenn Gefl\u00fcchtete in Lagern auf ihre Abschiebung warten; Trans*leute psychiatrisch behandelt werden; t\u00fcrkische oder kurdische Genoss_innen nach \u00a7129b verfolgt oder Firmen eingeladen werden, ihre Flie\u00dfbandproduktion kosteng\u00fcnstig im Knast (z.B. in der neuen JVA Heidering) verrichten zu lassen, begreifen wir dies als besonders sichtbare \u00dcberschneidungen verschiedener Mechanismen, Menschen gef\u00fcgig zu machen.<\/p>\n<blockquote><p><em>Wenn ich \u00fcber geringes Einkommen verf\u00fcge und wie viele andere wegen Eigentumsdelikten angeklagt werde, wird es mir sehr schwer fallen, das n\u00f6tige Geld aufzubringen, die Anwaltskosten zu bezahlen und zumindest die Chance zu erh\u00f6hen, nicht inhaftiert zu werden. Wenn ich im Knast bin, werde ich vielleicht zu den vielen Menschen geh\u00f6ren, deren Angeh\u00f6rige mich wenig besuchen und unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, weil ihnen das Geld daf\u00fcr fehlt. Von dem miesen Stundenlohn f\u00fcr die Zwangsarbeit im Knast werde ich mir mit Sicherheit nicht viel mehr leisten k\u00f6nnen, als ab und zu die teuren Sachen beim Knastsupermarkt zu kaufen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn ich dann aus dem Knast entlassen werde, mich um eine Wohnung, einen Job, meine Schulden, meine angeknacksten\/verlorenen sozialen Kontakte, \u2026 k\u00fcmmern muss, werde ich mit Sicherheit sagen k\u00f6nnen, dass der Knast mir nicht geholfen hat, weil er mir gezeigt hat, dass sich meine Probleme nicht l\u00f6sen lassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Knast schafft sogar noch mehr Probleme und verst\u00e4rkt vorhandene. Was es mit mir macht, eingesperrt zu sein und jeden Tag zu erfahren, dass ich behandlungsbed\u00fcrftig bin und \u201eresozialisiert\u201c werden muss, k\u00f6nnen nur die Menschen berichten, die Knasterfahrung haben, aber nur selten geh\u00f6rt werden.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Gef\u00e4ngnisse als gesteigerte Form der Ausbeutung<\/strong><\/p>\n<p>Mit der gesellschaftlichen Fokussierung auf das Eigentum und dem massiven Interesse einer bestimmten Schicht daran, dieses zu sichern, landen im Laufe der Zeit immer mehr Menschen auf Grund von Eigentumsdelikten in den Gef\u00e4ngnissen. Seit einiger Zeit werden Gef\u00e4ngnisse privatisiert und Inhaftierte zu Arbeiten f\u00fcr Hungerl\u00f6hne gezwungen.<\/p>\n<p>Beinahe unbemerkt verschafften sich einige Bau- und Sicherheitskonzerne in den letzten Jahren Zugriff auf den Justizvollzug und die erzwungene Arbeitskraft von Gefangenen. Es ist zu beobachten, wie in einem schleichenden Prozess die Privatisierung und Industrialisierung von Gef\u00e4ngnissen in der BRD voranschreitet. Der permanente Sozialabbau bringt viele Menschen in eine prek\u00e4re Situation. Nach dem Vorbild der USA nehmen Lobbyisten Einfluss auf die Gesetzgebung, um immer mehr Menschen f\u00fcr Bagatell- und Armutsdelikte in Haft zu bringen. In einigen Bundesl\u00e4ndern erwartet Gefangene inzwischen Zwangsarbeit am Flie\u00dfband. Mit Blick auf die USA l\u00e4sst sich heute schon vorher sagen, was die verheerenden gesellschaftlichen Auswirkungen einer solchen Ausbeutung sein werden: Masseninhaftierung des armen Teils der Bev\u00f6lkerung und rassistische Ausgrenzung gesellschaftlicher Minderheiten. Noch k\u00f6nnen wir Konzernen wie Bilfinger-Berger, K\u00f6tter oder Serco und ihren gekauften Politiker_innen in die Suppe spucken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Kommt am 31. Dezember 2012 gemeinsam<br \/>\nf\u00fcr die Freiheit aller Gefangenen auf die Stra\u00dfe!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Grenzen und Mauern einrei\u00dfen \u2013 f\u00fcr eine solidarische Gesellschaft!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>15:00 vom S-Bhf Frankfurter Allee<br \/>\nzum Frauenknast Lichtenberg<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>22:45 vom U-Bhf Turmstrasse zum Knast Moabit<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><em><a href=\"http:\/\/silvesterzumknast.nostate.net\" target=\"_blank\">silvesterzumknast.nostate.net<\/a><\/em><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/silvesterzumknast.nostate.net\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/silvesterknastdemo_2012_poster.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"424\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lasst uns gemeinsam am 31. Dezember 2012 gegen Gef\u00e4ngnisse und Zwangsanstalten demonstrieren, um unsere Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen auszudr\u00fccken.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[2,8,9,462,31,10],"tags":[397,698,701,707,703],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8048"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8048"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10157,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8048\/revisions\/10157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}