{"id":8161,"date":"2012-12-18T22:53:26","date_gmt":"2012-12-18T21:53:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=8161"},"modified":"2012-12-20T20:45:25","modified_gmt":"2012-12-20T19:45:25","slug":"machtpoker-im-gericht-mit-dem-bus-der-solidaritaet-nach-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/machtpoker-im-gericht-mit-dem-bus-der-solidaritaet-nach-frankfurt","title":{"rendered":"Machtpoker im Gericht &#8211; Mit dem Bus der Solidarit\u00e4t nach Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast.jpg\" rel=\"lightbox[8161]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-8164\" title=\"Freiheit und Gl\u00fcck f\u00fcr Sonja und Christian vorm Knast\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast-250x118.jpg\" alt=\"Freiheit und Gl\u00fcck f\u00fcr Sonja und Christian vorm Knast\" width=\"250\" height=\"118\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast-250x118.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast-600x283.jpg 600w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast-520x245.jpg 520w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast-720x340.jpg 720w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Freiheit-und-Gl\u00fcck-f\u00fcr-Sonja-und-Christian-vorm-Knast.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Am 14. Dezember fuhr <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/2012\/11\/ein-bus-der-solidaritat-von-berlin-nach-frankfurtmain\/\" target=\"_blank\">ein Bus von Berlin nach Frankfurt\/Main<\/a> zum <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/\" target=\"_blank\">Prozess gegen Sonja und Christian<\/a>. Es ging darum, kollektiv den Prozess zu besuchen und sich solidarisch zu zeigen.<\/em><\/p>\n<p>P\u00fcnktlich um 9:00 Uhr sollte die Gerichtsverhandlung beginnen. Rund um das Gerichtsgeb\u00e4ude standen Bereitschaftsbullen, eine Ma\u00dfnahme, die bisher nicht \u00fcblich war. Schon in der Woche vor dem Termin hatte der \u201eBus der Solidarit\u00e4t\u201c in der Gerichtskantine die Runde gemacht. Bevor die Verhandlung losging, mussten die rund 40 Aktivist_innen aus Berlin und einige Unterst\u00fctzer_innen aus anderen St\u00e4dten den Sicherheitscheck durchlaufen. Alle wurden einzeln abgetastet, au\u00dfer Zettel und Stift durften wir nichts mitnehmen. Als Christian Gauger und wenig sp\u00e4ter Sonja Suder den Gerichtssaal betraten, brodelte Applaus auf und solidarische Gr\u00fc\u00dfe \u00fcberquerten die Glasscheibe, die den Verhandlungsraum vom Zuschauerraum trennt. <!--more-->Die Angeklagten freuten sich \u00fcber die gut gef\u00fcllten Besucherr\u00e4nge, die &#8211; au\u00dfer zwei Zivilbeamten &#8211; von Aktivist_innen besetzt waren.<\/p>\n<p>Kurz darauf betrat die Richterin samt ihren Beisitzern und Sch\u00f6ffen den Gerichtssaal. W\u00e4hrend die Prozessbeteiligten aufstanden, blieben Alle im Zuschauerraum \u2013 zun\u00e4chst auch die beiden verunsicherten Zivis \u2013 sitzen. Unabgesprochen war klar, dass wir uns angesichts dieser Farce nicht erheben w\u00fcrden. Der entr\u00fcsteten Aufforderung der Richterin folgten nur die beiden Polizisten. Ohne weitere juristische Belehrung verh\u00e4ngte die Richterin daraufhin 100 Euro Strafe oder zwei Tage Ersatzhaft und die Aufnahme der Personalien aller Personen im Zuschauerraum. Sie unterbrach die Verhandlung f\u00fcr 40 Minuten. Auch Sonja wurde leider herausgef\u00fchrt, obwohl sie bei anderen Verhandlungspausen im Saal bleiben konnte.<\/p>\n<p>Au\u00dfer der Verteidigung, einigen Justizbeamten und den Leuten im Zuschauerraum war der Gerichtssaal jetzt leer und eine angespannte Stimmung machte sich breit. Drau\u00dfen standen die Bereitschaftsbullen, drinnen wurden erste Kalkulationen \u00fcber die Anzahl der Solipartys aufgestellt, als zwei Justizbeamte nerv\u00f6s verk\u00fcndeten, die Personalien einzeln au\u00dferhalb des Zuschauerraumes aufnehmen zu wollen. Als die erste Aktivistin sich weigerte, sollte sie abgef\u00fchrt werden. Jetzt wurde es laut im Gerichtssaal: \u201eH\u00e4nde weg\u201c und Pfiffe ert\u00f6nten durch den Raum. Die beiden Erf\u00fcllungsgehilfen verlie\u00dfen mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen den Zuschauerraum. Wir dagegen langweilten uns nicht, versuchten \u00fcber die Glasscheibe mit Christian zu kommunizieren und der erstestimmte \u201eTon Steine Scherben\u201c an, was von der Verteidigung und Christian mit breitem Grinsen quittiert wurde. Die Frauen unter uns kokettierten schon laut, dass wir die zwei Tage in Preungesheim nutzen k\u00f6nnten, um mit Sonja in Ruhe zu plauschen.<\/p>\n<p>Kurz vor Ablauf der 40 Minuten wurde uns ein Angebot der Richterin unterbreitet: das Gericht wollte sich die Schmach einer R\u00e4umung wohl ersparen, daher sollten wir den Zuschauerraum verlassen und erst nach Beginn der Verhandlung wieder betreten. Da wir eh schon gewonnen hatten, willigten wir ein und betraten den Gerichtsaal erneut, ohne uns vor dem Gericht erhoben zu haben.<\/p>\n<p>Dann ging alles sehr schnell: die Richterin nuschelte eine Seite Text vor und vertagte die Hauptverhandlung auf n\u00e4chsten Dienstag. Was sie in dieser kurzen Zeit sagte, ist allerdings skandal\u00f6s. Trotz der M\u00f6glichkeit, dass der vorgeladene Zeuge Hermann F. durch eine Vernehmung vor Gericht erneut traumatisiert wird, lehnte die Richterin den Antrag der Verteidigung ab, die Umst\u00e4nde seiner Vernehmung durch einen Traumatologen untersuchen zu lassen. Hermann F. war 1978 wochenlang unter folter\u00e4hnlichen Bedingungen verh\u00f6rt worden. Da es gerade in der Traumaforschung in den vergangenen 40 Jahren viele neue Erkenntnisse gibt, will die Verteidigung erreichen, dass die Verh\u00f6rsituation von Hermann F. neu bewertet wird. Bereits 1981 wurde von einem Gericht festgestellt, dass seine Aussagen zwischen dem 24. Juni und Anfang Juli 1978 nicht verwertbar sind. Alle weiteren Vernehmungen bis Oktober 1978 st\u00fctzen sich jedoch auf diese ersten Aussagen. Schon <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/2012\/12\/daran-kann-ich-mich-nicht-erinnern-prozessbericht-7-12\/\" target=\"_blank\">am letzten Prozesstag<\/a> wurde das Gutachten einer Fachfrau f\u00fcr Traumatologie verlesen, das sich mit der psychischen Situation von Hermann F. im Jahre 1978 befasst.<\/p>\n<p>Das Gericht bef\u00fcrchtet offensichtlich, dass dann die Verh\u00f6re von Hermann F. im Jahre 1978 nicht mehr verwertet werden k\u00f6nnen. Sie will einen eigenen Gutachter, der jedoch weder Facharzt f\u00fcr Neurologie noch Traumatologe ist. Da sich die Richterin nur auf diese unter folter\u00e4hnlichen Bedingungen entstandenen Aussagen und die ebenfalls bereits von Gerichten bezweifelten Aussagen des Kronzeugen Hans-Joachim Klein st\u00fctzt, hat die Richterin mit dieser Ablehnung erneut ihren unbedingten Verurteilungswillen gezeigt, was von den Zuschauer_innen laut kommentiert wurde. Ein trotz der strengen Sicherheitsbestimmungen eingeschmuggeltes Transparent wurde aufgeh\u00e4ngt und Sonja und Christian mit \u201eFreiheit f\u00fcr Sonja und Christian\u201c-Rufen herzlich aus dem Gerichtssaal verabschiedet.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Zwischenspiel im Frankfurter autonomen Zentrum \u201eKlapperfeld\u201c, wo wir von den Frankfurter Genoss_innen mit Suppe, Kaffee und Tee versorgt wurden, ging es weiter nach Preungesheim zum Frauenknast. Kaum waren wir angekommen, machte sich dort auch eine Hunderterschaft breit. Trotzdem kamen wir als lautstarke Demo ungehindert zu einem Feld neben dem Knast, wo wir mit einen kleinen Lauti unseren Redebeitrag (s.unten) \u00fcber die sechs Meter hohe Knastmauer und etlichen Rollen Natodraht schallen lie\u00dfen. Transpis wurden entrollt. Einige Fenster \u00f6ffneten sich und auch hinter den dichten Glasbausteinen haben die Frauen im Knast uns gewunken, was mit Applaus und Parolen beantwortet wurde.<\/p>\n<p><strong>Kurzes Fazit einer langen Fahrt: Organisiert mehr Busse nach Frankfurt! Freiheit &amp; Gl\u00fcck f\u00fcr Sonja und Christian!<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Vor dem Knast wurden den Gefangenen mit einem Redebeitrag die Gr\u00fcnde unserer Anwesenheit vermittelt<\/em><\/p>\n<p>Wir stehen heute hier, weil wir euch unsere Solidarit\u00e4t zeigen wollen. Eine von Euch ist Sonja Suder. Sie kann uns jetzt wahrscheinlich nicht h\u00f6ren, darum vertrauen wir auf die Knastpostille und hoffen, dass Ihr Sonja erz\u00e4hlt, dass wir hier sind.<\/p>\n<p>Sonja sitzt hier seit Herbst 2011. Wie die meisten von euch wissen, wird ihr und Christian Gauger vorgeworfen, in den 1970er Jahren an revolution\u00e4ren Aktionen teilgenommen zu haben. Seit September 2012 l\u00e4uft ihr Prozess, den wir heute mit 40 Leuten aus Berlin und anderen St\u00e4dten besucht haben.<br \/>\nDer heutige Prozess war ein kurzes Vergn\u00fcgen. Weil wir uns geweigert haben, uns vor dem Gericht zu erheben, beendete die Richterin samt Anhang nach einer halben Stunde Unterbrechung beleidigt den Verhandlungstag.<\/p>\n<p>Warum dieser Aufriss, wird sich jetzt manche fragen. Weil die beiden sich weigern, mit Bullen und Justiz zusammenzuarbeiten. Sie machen keinerlei Aussagen, nehmen daf\u00fcr auch den Preis in Kauf, dass Sonja weiter sitzt. Sie sind einfach nicht bereit, irgendwelche Deals zu machen.<\/p>\n<p>Diese Haltung finden wir gut, nicht nur bei den beiden, sondern bei allen, die auch im Knast einen aufrechten Gang behalten. Diese Haltung zu unterst\u00fctzen, hei\u00dft f\u00fcr uns Solidarit\u00e4t.<br \/>\nEin weiterer Grund f\u00fcr uns, hier zu sein, ist, weil wir daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass es irgendwann mal keine Kn\u00e4ste mehr gibt. Wir hassen die Schlie\u00dfer und ihr System. Bis jetzt sind wir noch nicht viele, aber wir werden mehr. Daran arbeiten wir.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t ist eine Waffe! Stay rude, stay rebel!<\/p>\n<p>Und Sylvester um 18 Uhr gibt es die n\u00e4chste Knastkundgebung.<\/p>\n<p><strong>Freiheit und Gl\u00fcck f\u00fcr Sonja und Christian!<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/JVA-Preungesheim.jpg\" rel=\"lightbox[8161]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8167\" title=\"JVA Preungesheim\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/JVA-Preungesheim-250x166.jpg\" alt=\"JVA Preungesheim\" width=\"250\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/JVA-Preungesheim-250x166.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/JVA-Preungesheim-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/JVA-Preungesheim.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast.jpg\" rel=\"lightbox[8161]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8168\" title=\"Kundgebung vorm Knast\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast-250x166.jpg\" alt=\"Kundgebung vorm Knast\" width=\"250\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast-250x166.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast_2.jpg\" rel=\"lightbox[8161]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8169\" title=\"Kundgebung vorm Knast\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast_2-250x166.jpg\" alt=\"Kundgebung vorm Knast\" width=\"250\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast_2-250x166.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast_2-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kundgebung-vorm-Knast_2.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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