{"id":8398,"date":"2013-01-13T16:31:21","date_gmt":"2013-01-13T15:31:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=8398"},"modified":"2014-12-19T08:25:12","modified_gmt":"2014-12-19T07:25:12","slug":"thomas-meyer-falk-knast-in-burg-und-der-rechnungshof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-knast-in-burg-und-der-rechnungshof","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Knast in Burg und der Rechnungshof"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[8398]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a><span class=\"dropcap\">K<\/span>\u00fcrzlich berichtete Klaus Sonntag \u00fcber die \u201e<a title=\"Gef\u00e4ngnisindustrie in Sachsen-Anhalt\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/gefaengnisindustrie-in-sachsen-anhalt\" target=\"_blank\">Gef\u00e4ngnisindustrie in Sachsen-Anhalt<\/a>\u201c \u00fcber die Kritik des Landesrechnungshofes am PPP-Projekt der JVA Burg. Ich m\u00f6chte heute die erw\u00e4hnte Kritik des Landesrechnungshofes n\u00e4her darstellen.<\/p>\n<p><em>Vorgeschichte<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 2006 hatte das Land Sachsen-Anhalt mit dem Baukonzern Bilfinger-Berger Vertr\u00e4ge \u00fcber Errichtung und teilweisen Betrieb einer JVA in Burg geschlossen.<\/p>\n<p>Seit Mai 2009 ist die Anstalt in Betrieb; der Konzern, bzw. vertraglich verpflichtete Subunternehmen sind zust\u00e4ndig f\u00fcr Reinigung, Entsorgung und Ausstattung der Anstalt, f\u00fcr Verwaltungshilfsdienste, EDV-Systembetreuung, Verpflegungsleistungen, Gesundheitsf\u00fcrsorge, Sozialf\u00fcrsorge und Sicherheitshilfsdienste (vgl. Landesrechnungshof Sachsen-Anhalt, Jahresbericht 2012, Seite 44).<\/p>\n<p>Vereinbart wurde eine Vertragslaufzeit von 25 Jahren, wobei einzelne der genannten Dienstleistungsvertr\u00e4ge nach fr\u00fchestens 5 Jahren gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Verlaufe der 25 Jahre sollten dem Land Gesamtkosten von 512 Millionen Euro entstehen, davon circa 175 Millionen Euro f\u00fcr Bau und Finanzierung der JVA und weitere knapp 337 Millionen Euro f\u00fcr deren Betrieb.<\/p>\n<p><em>Kritik des Landesrechnungshofes<\/em><\/p>\n<p>Auf immerhin gut 20 Seiten seines Jahresberichts setzt der Landesrechnungshof sich ausf\u00fchrlich mit dem \u201ePublic-Private-Partnership\u201c-Projekt der Landesregierung auseinander und h\u00e4lt die Missst\u00e4nde f\u00fcr so gravierend, dass der Pr\u00e4sident des Rechnungshofes in der Landespressekonferenz am 05.12.2012 diese breit referierte.<\/p>\n<p>Im Folgenden sind nur die gravierendsten M\u00e4ngel benannt:<\/p>\n<ul>\n<li><em>1. ) Mangelhafte Transparenz der Projektkosten<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Landesverfassung verpflichtet eigentlich dazu, alle Ausgaben klar zu gliedern und transparent zu machen. Neben den aktuell circa 11 Millionen Euro \u201ePPP-Rate\u201c (also dem vertraglich vereinbarten Entgelt) j\u00e4hrlich, sind jedoch auf zahlreiche andere Haushaltst\u00f6pfe j\u00e4hrlich \u00fcber 2,2 Millionen Extrazahlungen verteilt, man k\u00f6nnte auch sagen \u201eversteckt\u201c, die f\u00fcr den Betrieb der JVA Burg anfallen. Und ab 2013 steigt diese Summe um weitere 500.000 Euro pro Jahr, da f\u00fcr die Ausgestaltung der Sicherungsverwahrung h\u00f6here Kosten anfallen.<\/p>\n<ul>\n<li><em>2.) K\u00fcnftige Haushaltsbelastungen h\u00f6her als angenommen<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Schon vor drei Jahren (2010) lagen die tats\u00e4chlichen Kosten f\u00fcr das PPP-Projekt um fast 400.000 Euro h\u00f6her als prognostiziert. Das hat zur Folge, dass bis Ende der Vertragslaufzeit 2034, je nach Szenario zwischen 7,4 Millionen und 42,5 Millionen Euro Mehrkosten anfallen, als noch 2006 vorhergesagt.<\/p>\n<p>Weiter kritisiert der Rechnungshof, sollte die JVA tats\u00e4chlich mit 272 Landesbediensteten (und 57,5 Stellen, die die PPP-Partner besetzen) arbeiten, anstatt den eigentlich geplanten 203,5 Stellen f\u00fcr Landesbedienstete, w\u00fcrden allein durch den fehl kalkulierten Personalbedarf j\u00e4hrlich zus\u00e4tzliche 5 Millionen Euro Mehrkosten anfallen.<\/p>\n<ul>\n<li><em>3.) Mangelnde Auslastung der JVA<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei einer Belegungsst\u00e4rke von maximal 658 Gefangenen wurde zwischen Land und dem PPP-Konsortium eine \u201eDurchschnittsbelegung\u201c von 600 Inhaftierten vereinbart. Nach Berechnungen f\u00fchrte \u201edurchschnittliche Unterbelegung von 82 Inhaftierten\u201c im Jahr 2011 zu Ausgaben von 1,1 Millionen Euro ohne eine gleichwertige Gegenleistung. Da das Land die an Bilfinger-Berger und \u00fcbrigen Vertragspartner zu zahlenden Betr\u00e4ge nicht k\u00fcrzen darf, wenn weniger Insassen einsitzen, f\u00fchrt das zu Einnahmen auf Konzernseite, f\u00fcr die keine Gegenleistungen erbracht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<ul>\n<li><em>4.) Unzureichende Vertragserf\u00fcllung durch PPP-Partner<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach Recherchen des Landesrechnungshofes erf\u00fcllen die Vertragspartner des Landes teilweise ihre vertraglichen Pflichten nicht (Bericht, a.a.O., S. 57): So hapert es bei der Organisation und Durchf\u00fchrung von fach\u00e4rztlichen und zahn\u00e4rztlichen Leistungen, bei der sachgem\u00e4\u00dfen Bestellung, Lagerung und ordnungsgem\u00e4\u00dfen Verwendung der Arzneimittel, medizinischen Verbrauchsmittel und Heil-, bzw. Hilfsmittel.<\/p>\n<ul>\n<li><em>5.) Umplanung im Bereich Seelsorge<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Weil es das Justizministerium unterlassen hatte, rechtzeitig vor Vertragsschluss mit dem PPP-Partner die Kirchen zu beteiligen, fielen durch erforderliche Umplanungen zus\u00e4tzliche knapp 200.000 Euro an, sowie, wie der Landesrechnungshof detailverliebt verrechnet, weitere monatliche \u201eWartungs- und Instandhaltungskosten in H\u00f6he von 44,76 Euro\u201c.<\/p>\n<ul>\n<li><em>6.) Prinzipielle Kritik des Landesrechnungshofes<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie der Pr\u00e4sident des Rechnungshofes am 05.12.2012 mitteilte (vgl. Pressemitteilung S. 5), h\u00e4tte ein Verzicht auf PPP, also bei einer Finanzierung, Bau und Betrieb ausschlie\u00dflich durch das Land, anstatt unter Einbeziehung des Bilfinger-Berger-Konzerns, zumindest zu einer Ersparnis der \u201ekalkulierten Gewinnzuschl\u00e4ge\u201c des Konzerns, deren H\u00f6he nicht bekannt sind, gef\u00fchrt. Ferner w\u00fcrde der vertraglich vereinbarte \u201eBonus\u201c von 5 % bei Vertragserf\u00fcllung nicht anfallen. Denn der Konzern hatte sich zusagen lassen, dass bei vertragsgem\u00e4\u00dfer Erf\u00fcllung zus\u00e4tzlich ein Bonus von maximal 5 % vom Land zu zahlen sei.<\/p>\n<p><em>Proteste der Gefangenen der JVA Burg<\/em><\/p>\n<p>Seit 2009 kam es zu mehreren Hungerstreiks und Protestaktionen durch Inhaftierte der JVA Burg, sowie zu zahlreichen Klagen bei den zust\u00e4ndigen Gerichten.<\/p>\n<p>Auch die in Burg untergebrachten Sicherungsverwahrten schlossen sich teilweise den Protesten an. Zumindest f\u00fcr diese wird sich die Unterbringungssituation ein bisschen verbessern (vgl. den Absatz \u00fcber <a title=\"Thomas Meyer-Falk: Strafvollzug 2012 \u2013 Eine \u00dcbersicht\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/thomas-meyer-falk-strafvollzug-2012-eine-uebersicht\" target=\"_blank\">Zellen f\u00fcr Sicherungsverwahrte in der JVA Burg<\/a>) und das Land nimmt nach Berechnungen des Landesrechnungshofes bis 2034 mindestens 15 Millionen Euro in die Hand.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<\/em><br \/>\n<em> c\/o JVA \u2013 Z. 3113<\/em><br \/>\n<em> Sch\u00f6nbornstr. 32<\/em><br \/>\n<em> D-76646 Bruchsal<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Der Bericht des Landesrechnungshofes ist online abrufbar unter<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"http:\/\/www.lrh.sachsen-anhalt.de\/fileadmin\/user_upload\/Berichte\/12a.pdf\">http:\/\/www.lrh.sachsen-anhalt.de\/fileadmin\/user_upload\/Berichte\/12a.pdf<\/a> , ab Seite 42<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Die erw\u00e4hnte Pressemitteilung des Pr\u00e4sidenten des Landesrechnungshofes vom 05.12.2012 unter<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"http:\/\/www.lrh.sachsen-anhalt.de\/fileadmin\/user_upload\/Berichte\/statement12-1.pdf\">http:\/\/www.lrh.sachsen-anhalt.de\/fileadmin\/user_upload\/Berichte\/statement12-1.pdf<\/a> , ab Seite 3<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich berichtete Klaus Sonntag \u00fcber die \u201eGef\u00e4ngnisindustrie in Sachsen-Anhalt\u201c \u00fcber die Kritik des Landesrechnungshofes am PPP-Projekt der JVA Burg. 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