{"id":8629,"date":"2013-02-03T22:28:19","date_gmt":"2013-02-03T21:28:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=8629"},"modified":"2013-02-03T22:28:19","modified_gmt":"2013-02-03T21:28:19","slug":"ich-gehe-mal-davon-aus-sagt-klein-und-die-verteidigung-beantragt-die-aufhebung-des-haftbefehls-gegen-sonja-suder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/ich-gehe-mal-davon-aus-sagt-klein-und-die-verteidigung-beantragt-die-aufhebung-des-haftbefehls-gegen-sonja-suder","title":{"rendered":"\u201eIch gehe mal davon aus\u2026\u201c, sagt Klein und die Verteidigung beantragt die Aufhebung des Haftbefehls gegen Sonja Suder"},"content":{"rendered":"<p><strong><em><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Schluss-mit-Folterpotokollen-und-Kronzeugenl\u00fcgen.png\" rel=\"lightbox[8629]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" alt=\"Schluss mit Folterpotokollen und Kronzeugenl\u00fcgen\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Schluss-mit-Folterpotokollen-und-Kronzeugenl\u00fcgen-250x187.png\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/a><\/em>Bericht zum Prozesstag gegen Sonja Suder und Christian Gauger am 01.02.2013<\/strong><\/p>\n<p><em>Von der <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/\" target=\"_blank\">Soliwebseite<\/a> f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/sonja-suder\" target=\"_blank\">Sonja Suder<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/christian-gauger\" target=\"_blank\">Christian Gauger<\/a> \u00fcbernehmen wir den Bericht vom Prozesstag am 1. Februar. Die <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/2012\/09\/samtliche-prozesstermine-bis-november\/\" target=\"_blank\">weiteren Prozesstermine<\/a> sind auf der Soliseite einsehbar.<\/em><\/p>\n<p>Antrag der Verteidigung im Wortlaut hier: <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/files\/2013\/02\/Antrag-auf-Aufhebung-des-Haftbefehls-Sonja-Suder-01.02.2013.pdf\">Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls Sonja Suder 01.02.2013<\/a><\/p>\n<p>Nach der erneuten Abweisung einer der Personen, die vom Prozess ausgeschlossen worden waren, stellte die Verteidigung den Antrag, die Ausschl\u00fcsse aufzuheben, weil die Aufrechterhaltung unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sei. Nach zehn Minuten Pause gab das Gericht bekannt, dass der Antrag abgelehnt ist.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDann ging es mit der Befragung des Zeugen Klein weiter. Den Anfang machte die Staatsanwaltschaft, die zun\u00e4chst nach Kleins Verh\u00e4ltnis zu den Angeklagten Suder und Gauger fragte. Im Verlaufe dieser Befragung kam heraus, dass Klein zwar sagte, Gauger w\u00e4re oft bei Sponti-Geschichten dabei gewesen, aber er w\u00fcrde ihn nicht wiedererkennen. Das Verh\u00e4ltnis damals sei aber freundschaftlich gewesen. Auf die Frage, ob er ihn als Christian Gauger kenne, antwortete Klein, er w\u00fcsste nicht mal mehr den Vornamen. In einer Vernehmung 1999 konnte er mit Gauger gar nichts anfangen und auch mit Suder nichts verbinden. Dann ging es darum, wie die Beziehungsverh\u00e4ltnisse in den RZ waren. Klein sagte, es sei damals ungew\u00f6hnlich gewesen, ehe\u00e4hnlich zusammen zu leben. Das h\u00e4tten aber sowohl Brigitte Kuhlmann und Wilfried B\u00f6se als auch Johannes Weinrich und Magdalena Kopp getan.<\/p>\n<p>Weil er wiederholt so antwortete, wurde Klein gefragt, was eigentlich die Formulierung \u201eich gehe mal davon aus\u2026\u201c hei\u00dfe. Er sagte unter anderem, das sei eine Art Redewendung von ihm und hei\u00dfe soviel wie \u201eSo muss es gewesen sein.\u201c<br \/>\nWeiter ging es um die Beschreibung der Wohnung in Wien, in der die Gruppe vor der OPEC-Aktion untergekommen gewesen war. Einige Dinge schilderte Klein sehr konkret, an andere \u2013 wie zum Beispiel ob es einen Code gegeben habe, um hereingelassen zu werden \u2013 konnte er sich nicht erinnern. Deutlich, sagte Klein, k\u00f6nne er sich daran erinnern, dass die Waffen der RZ damals in einem Koffer kamen. Diesen konnte er allerdings nicht beschrieben und es schien mehr als w\u00fcrde er aus der Annahme, dass es keine Tasche gewesen sein k\u00f6nne auf einen Koffer schlie\u00dfen.<br \/>\nAuch wer die Waffen ausgepackt hatte, konnte er nicht sagen. Sicher war er dagegen, dass er sie geputzt hat. Einige Widerspr\u00fcche ergaben sich aus der Beschreibung der Waffen, die damals geliefert worden seien. In seinem Buch \u201eR\u00fcckkehr in die Menschlichkeit\u201c schrieb er nichts von einer Kalaschnikow, nun tauchte eine solche in seinen Erinnerungen auf. Auf Nachfrage folgerte er, dass er sich heute irren m\u00fcsse: Wenn es im Buch stehe, w\u00fcrde es stimmen. Die Waffen wurden jedenfalls nach Frankfurt zur\u00fcckgeschickt, weil libysche ankamen. Klein sagte aus, dass die Aktion trotz der RZ-Waffen abgebrochen worden w\u00e4re, wenn es nicht die libyschen gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Weiter ging es um die Festnahme Kleins, die, so er zun\u00e4chst, in einem von ihm angemieteten Haus stattgefunden habe. Als die Oberstaatsanw\u00e4ltin nachfragte, ob es nicht doch in einer Kneipe gewesen w\u00e4re, erinnerte er sich pl\u00f6tzlich an diese Version und die genaue Uhrzeit: \u201e16.20 Uhr\u2026 \u00e4h\u202618.20 Uhr\u201c. Warum er sich gestellt habe wurde weiter gefragt. Er gab an, er sei gesundheitlich angeschlagen gewesen, h\u00e4tte keinen Job und zwei Selbstt\u00f6tungsversuche hinter sich. Daniel Cohn-Bendit h\u00e4tte ihm dann empfohlen, sich zu stellen. Ob es \u00dcberlegungen gab, wie er Straferlass bekommen k\u00f6nnte, fragt die Oberstaatsanw\u00e4ltin weiter. Nein, antwortete Klein um sich sp\u00e4ter mit einem Brief seines damaligen Anwalts konfrontiert zu sehen, der bei der Festnahme gefunden wurde und in dem dieser ihm die Bedingungen der Kronzeugenregelung in Deutschland erl\u00e4uterte. Daran hatte Klein keine Erinnerungen.<\/p>\n<p>Der Anwalt der Nebenklage fragte dann nach der Ermordung des Polizisten Tichler, dessen Sohn er vertritt. In seinem Buch beschreibt Klein die Ermordung Tichlers, gab in seiner Vernehmung allerdings an, er habe die Fakten aus der Zeitung und war selbst nicht dabei. Weiter fragte die Nebenklage, um wen es sich bei der Auslassung in seinem Buch handelte bei der Stelle \u201eWaffen und Plan f\u00fcr die OPEC-Aktion kamen von \u2026\u201c?. \u201cLibyen\u201d sagte Klein, gab aber an, er habe in Wien keine Libyer getroffen.<br \/>\nDie Verteidigung konzentrierte sich zun\u00e4chst auf einige Treffen zwischen Klein und dem Verfassungsschutz vor seiner Festnahme. Die Angaben, wie das abgelaufen sei, waren etwas unklar. Klein konnte sich praktisch nur noch daran erinnern, dass der VS den Klarnamen von \u201eNada\u201c wissen wolle und ihm nur dann zu helfen bereit sei. Wie diese Hilfe ausgesehen haben k\u00f6nnte und was er selber vom VS wollte bzw. wie er seine Bed\u00fcrfnisse ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tte, konnte oder wollte Klein nicht \u00e4u\u00dfern. Auch als er mit seiner Aussage, er wolle auf keinen Fall in den Knast gehen konfrontiert wurde, konkretisierte sich das nicht. Er wisse einfach nicht mehr viel.<\/p>\n<p>Nach der Pause wurde es dann spannend. Klein wurde mit verschiedenen Aussagen konfrontiert, die er im Laufe der Jahre zu den Treffen gemacht hatte, auf denen er f\u00fcr die OPEC-Aktion angeworben wurde.<br \/>\nEin anderer Punkt jedoch wurde vorher noch er\u00f6rtert, n\u00e4mlich der Brief, den Klein im Mai 1977 an den Spiegel geschrieben und dem er seinen Revolver beigelegt hatte. Kleins Aussage, dass er damit das Leben zweier Rabbiner habe retten wollen, die von den RZ ermordet werden sollten, konfrontierte die Verteidigung mit der Tatsache, dass diese Information reichlich beil\u00e4ufig am Schluss des Briefes auftauche und dass er diese Information scheinbar schon zwei Monate oder sogar ein halbes Jahr zuvor hatte! Widerspr\u00fcchlich scheint au\u00dferdem, dass Klein zuvor sagte, in der Regel seien nicht involvierte RZ-Leute nicht in andere Aktionen eingeweiht gewesen.<\/p>\n<p>Zum Schluss beantragte die Verteidigung die Aufhebung des Haftbefehls gegen Sonja. Sie begr\u00fcndete dies damit, dass Klein sich in seinen Aussagen \u00fcber die Treffen im Frankfurter Stadtwald, bei denen er f\u00fcr die OPEC-Aktion angeworben worden sei, immer sicher war, dass er dort Brigitte Kuhlmann getroffen hat. Er habe dann in seinen Unterlagen oder Interviews vor (!) seiner Verhaftung immer von einem oder mehreren M\u00e4nnern (!) gesprochen, die dabei gewesen w\u00e4ren. Erst nach seiner Verhaftung sei dann der Personenkreis noch gr\u00f6\u00dfer geworden und auch der Name Sonja Suder aufgetaucht.<br \/>\nJetzt in diesem Prozess taucht die neueste Version auf: es sind zwei Frauen bei den Treffen gewesen: Kuhlmann und Sonja Suder und kein Mann oder M\u00e4nner. Dieser krasse Gegensatz zu fr\u00fcheren Aussagen und eine Menge Widerspr\u00fcche in seinen anderen Aussageteilen machen Klein so unglaubw\u00fcrdig, dass der Haftbefehl aufgehoben werden muss, obwohl die Vernehmung von Klein (durch die Verteidigung) noch nicht abgeschlossen ist.<\/p>\n<p>Die Verteidigung k\u00fcndigte an, sich an den n\u00e4chsten Verhandlungstagen weiter auf den Brief an den Spiegel zu konzentrieren. Klein will wochenlang von der geplanten Ermordung der Rabbiner gewu\u00dft haben und \u201cobwohl nur noch Fluchtautos besorgt werden m\u00fcssten\u201d (so sein Schreiben an den Spiegel) staatliche Stellen nicht informiert haben, weil er kein Verr\u00e4ter sein wollte. Sie machte dann in einer eindr\u00fccklichen Erkl\u00e4rung deutlich, dass es in den 60iger Jahren sehr viele Menschen in der Bundesrepublik gegeben hat, die froh waren, dass j\u00fcdische Menschen (wieder) hier leben wollten. Von einem Mordanschlag an Rabbiner zu h\u00f6ren und nicht sofort alles zu tun, um das zu verhindern w\u00e4re nicht vorstellbar gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht zum Prozesstag gegen Sonja Suder und Christian Gauger am 01.02.2013 Von der Soliwebseite f\u00fcr Sonja Suder und Christian Gauger \u00fcbernehmen wir den Bericht vom Prozesstag am 1. Februar. Die weiteren Prozesstermine sind auf der Soliseite einsehbar. 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