{"id":9483,"date":"2013-10-09T22:47:44","date_gmt":"2013-10-09T21:47:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=9483"},"modified":"2013-10-21T23:05:35","modified_gmt":"2013-10-21T22:05:35","slug":"thomas-meyer-falk-knast-shop-massak-aerger-ohne-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-knast-shop-massak-aerger-ohne-ende","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Knast-Shop Massak &#8211; \u00c4rger ohne Ende?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[9483]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" title=\"faust-durchs-gitter\" alt=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>Schon in den zur\u00fcckliegenden Jahren berichtete ich mehrfach \u00fcber die Firma <a href=\"http:\/\/anonym.to?http:\/\/www.massak.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Massak Logistik GmbH<\/a> und den massiven \u00c4rger unter Gefangenen, was die Belieferung mit Nahrungsmitteln angeht (<a title=\"Thomas Meyer-Falk: Gef\u00e4ngnisladen-Betreiber im Schlaraffenland\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/thomas-meyer-falk-gefaengnisladen-betreiber-im-schlaraffenland\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Gef\u00e4ngnisladen-Betreiber im Schlaraffenland<\/a> &amp; <a title=\"Thomas Meyer-Falk: Knast-Shop-Preise ein \u00c4rgernis!\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/thomas-meyer-falk-knast-shop-preise-ein-aergernis\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Knast-Shop-Preise ein \u00c4rgernis<\/a>). In der JVA Freiburg findet die Geschichte nun ihre Fortsetzung.<\/p>\n<p><em>Gefangeneneinkauf \u2013 was ist das?<\/em><\/p>\n<p>Inhaftierte m\u00f6chten und d\u00fcrfen sich mit eigenen Nahrungs-, Genuss- und K\u00f6rperpflegemitteln versorgen. <!--more-->In aller Regel beauftragt die jeweilige Haftanstalt, nach einer Ausschreibung, eine einzige Firma mit der Belieferung. Entweder richtet die Firma dann auf dem Gel\u00e4nde der Justizvollzugsanstalt einen eigenen (kleinen) Laden ein, so bspw. im nieders\u00e4chsischen Rosdorf die Firma REWE, oder aber die Gefangenen erhalten eine Liste mit Artikeln, die sie bestellen d\u00fcrfen. Sie f\u00fcllen dann ein Formular aus und einige Tage sp\u00e4ter werden die Artikel in einer Kiste angeliefert. Diese sogenannten \u201eEinkaufstage\u201c sind regelm\u00e4\u00dfiges \u201eHighlight\u201c und finden meist zwei Mal im Monat statt. Endlich wieder ein bisschen Kaffee, Tabak, endlich wieder das Duschgel und vielleicht auch ein wenig K\u00e4se oder ein St\u00fcck Kuchen, was dann den tr\u00fcben Haftalltag aufheitert.<\/p>\n<p><em>Massak Logistik GmbH<\/em><\/p>\n<p>Die Firma hat ihren Sitz im bayrischen Memmelsdorf (<a href=\"mailto:info@massak.de\" rel=\"nofollow\">info@massak.de<\/a>) und geh\u00f6rt Vater und S\u00f6hnen Massak. Werner Massak, der Senior, er\u00f6ffnete laut <a href=\"http:\/\/anonym.to?http:\/\/www.massak.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Selbstdarstellung im Internet<\/a> 1994 einen EDEKA Aktiv Markt in Memmelsdorf, sp\u00e4ter folgten weitere EDEKA Filialen in Litzendorf, Bamberg und Gundelsheim. Seit 2000 ist man auch im \u201eKnast-Business\u201c aktiv. Erst in Bamberg (2000), danach folgten N\u00fcrnberg und Erlangen (2001), Bayreuth (2002), M\u00fcnchen (2003), und so weiter. Mittlerweile beliefert die Firma \u00fcber 70 Haftanstalten im Bundesgebiet, bis hinauf nach Niedersachsen, Th\u00fcringen und Berlin.<\/p>\n<p>Und eben auch Haftanstalten in Baden-W\u00fcrttemberg, darunter die JVA Bruchsal und die JVA Freiburg im Breisgau.<\/p>\n<p><em>Lebensmittelkontrolle durch Stadt Freiburg<\/em><\/p>\n<p>Nachdem ich am 8. Juli 2013 von der JVA Bruchsal in die JVA Freiburg verlegt wurde, um dort die <a title=\"Thomas Meyer-Falk in SV \u201eangekommen\u201c\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/thomas-meyer-falk-in-sv-angekommen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Sicherungsverwahrung zu verb\u00fc\u00dfen<\/a>, fielen mir die aus meiner Sicht sonderbaren Umst\u00e4nde des Lebensmittelverkaufs durch die Firma Massak Logistik GmbH auf. Es waren hei\u00dfe Wochen im Hochsommer, die K\u00fchlwaren lagerten zwar in K\u00fchlboxen, jedoch standen diese offen, in einem tags\u00fcber als Arbeitstherapie genutzten Saal, der zudem ziemlich verdreckt aussah. Kein wirklich hygienischer Ort. Die Damen der Firma trugen zudem ausschlie\u00dflich Privatkleidung. Da sie zudem stark schwitzten, fanden es Mitverwahrte wenig appetitanregend, wenn diese sich den Schwei\u00df von Stirn und Gesicht wischten, um ihn dann in einer schleudernden Bewegung \u00fcber den Lebensmitteln zu verteilen.<\/p>\n<p>Ich bat in einem Brief den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Werner Massak um Abhilfe, rechnete jedoch nicht ernstlich mit einer Reaktion. Es erfolgte \u2013 erwartungsgem\u00e4\u00df \u2013 keine Antwort. Auch deshalb bat ich die Stadt Freiburg, zust\u00e4ndig ist daf\u00fcr die Veterin\u00e4rbeh\u00f6rde, um eine lebensmittelrechtliche Kontrolle, da aus Sicht der Verwahrten M\u00e4ngel in der Hygiene und Lagerung von Lebensmitteln bestehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Am 8. August 2013 kontrollierten der tier\u00e4rztliche Sachverst\u00e4ndige Dr. B. von der Stadt Freiburg, sowie Frau Dr. G. vom Regierungspr\u00e4sidium die Zust\u00e4nde und stellten mit Schreiben vom 19.08.2013 fest, dass k\u00fchlpflichtige Lebensmittel unzureichend gek\u00fchlt worden waren. Auch wurde bem\u00e4ngelt, dass die mit der Ausgabe der Lebensmittel besch\u00e4ftigten Personen keine Arbeitskleidung trugen. Problematisch sei zudem die \u00d6rtlichkeit an sich, hier seien \u201ebauliche Ma\u00dfnahmen\u201c erforderlich, um einen \u201esauberen Raum\u201c zu schaffen, der zur Ausgabe von Lebensmitteln geeignet sei.<\/p>\n<p>Mit Anordnungsschreiben vom 22.08.2013 wurde der Firma Massak Logistik GmbH unter Androhung von Zwangsgeld aufgegeben, \u201einnerhalb von zwei Wochen\u201c die Missst\u00e4nde abzustellen, d.h. k\u00fchlpflichtige Lebensmittel tats\u00e4chlich zu k\u00fchlen und Arbeitskleidung bereit zu stellen. Mit gleichem Datum wurde die Anstaltsleitung der JVA Freiburg informiert und diese gebeten, insbesondere den Lebensmittelausgaberaum baulich zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Kartellrechtliche Pr\u00fcfung wegen zu hoher Preise<\/em><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/anonym.to?http:\/\/www.bundeskartellamt.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Bundeskartellamt<\/a> pr\u00fcfte, ob die Firma gegen Kartellrecht verst\u00f6\u00dft. Mit Entscheidung vom 11.09.2013 (Az. B 2 \u2013 1\/13-24) kam das Kartellamt zu dem Schluss, vorerst kein Verfahren einzuleiten. Jedoch gestand die Beh\u00f6rde zu, die Firma k\u00f6nne mittlerweile eine marktbeherrschende Stellung inne haben. W\u00e4re dem so, m\u00fcsste in der Tat gepr\u00fcft werden, was viele Gefangene behaupten, dass die Firma Massak Logistik GmbH ohne sachliche Rechtfertigung ung\u00fcnstigere Preise verlangt als auf vergleichbaren M\u00e4rkten \u00fcblich. Was soll damit gesagt werden?<\/p>\n<p>Eine von der JVA Bruchsal selbst durchgef\u00fchrte Untersuchung hatte ergeben, dass die Preise der Firma teils um 50 % und mehr \u00fcber denen von Superm\u00e4rkten liegen (in Einzelf\u00e4llen lagen Preissteigerungen bei \u00fcber 100 %).<\/p>\n<p>Das ist selbstverst\u00e4ndlich nicht verwunderlich, denn dort wo ein Monopolist einen Markt beherrscht, gibt es wenig Ambitionen, das vorhandene Geld nicht so gro\u00dfz\u00fcgig wie m\u00f6glich abzusch\u00f6pfen, sprich in die eigene Tasche umzuleiten. Zwar betont Werner Massak, der sozialen Marktwirtschaft anzuh\u00e4ngen und auch eine Verantwortlichkeit als Unternehmer zu sehen, nur helfen diese warmen Worte dann nicht, wenn man Preise an die Firma zahlt, die sogar \u00fcber denen liegen, die in EDEKA-M\u00e4rkten verlangt werden, von einem Preisniveau a la LIDL oder ALDI wagen Gefangene erst gar nicht zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Das Kartellamt teilte mit, selbst im Falle, dass eine Pr\u00fcfung ergeben w\u00fcrde, dass die Firma unangemessen hohe Preise verlange, man nicht in der Lage sei, sie zu einer Belieferung von bestimmten H\u00f6chstpreisen zu verpflichten. Im \u00dcbrigen sei die erforderliche Pr\u00fcfung sehr umfangreich und man leite deshalb zumindest derzeit kein Verfahren ein.<\/p>\n<p><em>Lobpreisung durch Gefangenenpresse<\/em><\/p>\n<p>Die auch \u00fcberregional bekannte <a href=\"http:\/\/www.lichtblick-zeitung.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Gefangenenzeitschrift \u201eLichtblick\u201c<\/a> hatte vor kurzem die \u00dcbernahme des Gefangenen-Einkaufs in der JVA Berlin-Tegel, dort wird auch der Lichtblick hergestellt, zum Anlass f\u00fcr einen au\u00dferordentlich freundlichen Artikel \u00fcber die Firma genommen. Ob das dann der Grund war, dass die Firma eine ganzseitige Anzeige im Lichtblick schaltete, bleibt Spekulation, jedoch nutzte Massak Logistik GmbH den Artikel dazu, mit positiven Aussagen, die in diesem enthalten waren, zu werben.<\/p>\n<p>Aus der Praxis in der JVA Bruchsal ist mir bekannt, dass die Vertreter der Firma bereit sind, z.b. Mitgliedern der \u00f6rtlichen Insassen-Vertretung \u201eProdukt-Proben\u201c im Wert von \u00fcber 100 Euro zur Verf\u00fcgung zu stellen. Im Vorfeld der \u00dcbernahme der Belieferung in der JVA Bruchsal (2007) bekamen die Gefangenenvertreter ganze T\u00fcten voll mit Tabak und Esswaren, wobei es dann diesen \u00fcberlassen blieb, ob sie diese selbst vereinnahmten oder an Dritte verschenkten.<\/p>\n<p>Ob dies in Berlin \u00e4hnlich gelaufen ist, dar\u00fcber ist nichts bekannt. Auch nicht, ob dies in der JVA Ratingen (NRW) so oder anders gelaufen ist, jedoch auch dort war die \u00f6rtliche Gefangenenzeitung <a href=\"http:\/\/www.ulmerecho.de\/Down\/UlmerEcho2013_1.pdf\" rel=\"nofollow\">sehr, sehr freundlich zu der Firma<\/a> (PDF, Seite 12) und distanzierte sich ausdr\u00fccklich von einem im selben Heft abgedruckten kritischen Leserbrief eines dortigen Insassen.<\/p>\n<p><em>Ausblick<\/em><\/p>\n<p>Immer wieder liefert die Firma verfaultes, angeschimmeltes Obst und Gem\u00fcse, wer das sofort reklamiert, bekommt den Betrag abgezogen. Auch wenn auf den Lieferscheinen und Rechnungen bestimmte Waren als geliefert aufgef\u00fchrt sind, tut man gut daran, den Einkaufskorb auf Vollst\u00e4ndigkeit zu kontrollieren. Stellt man dann fest, dass etwas berechnet aber nicht geliefert wurde, h\u00f6rt man jedes Mal aufs Neue: \u201eOh, das tut uns leid, das war ein Versehen!\u201c. Wer das dann zum x-ten Mal h\u00f6rt, dem kommen Zweifel daran, wie die Firma den Begriff des \u201eVersehens\u201c definiert.<\/p>\n<p>Aus dem Markt verschwinden wird Massak Logistik GmbH kaum, denn die\u00a0 Belieferung von Inhaftierten ist fast so wertvoll wie eine Lizenz zum Gelddruck: Die Kundschaft kann nicht k\u00fcndigen, sie kann nicht auf andere L\u00e4den ausweichen und die Haftanstalten sind gl\u00fccklich \u00fcber eine Firma, die auch noch den schr\u00e4gsten Sicherheitsw\u00fcnschen des \u00f6rtlichen Sicherheitsdienstes der Anstalt gerecht wird.<\/p>\n<p>Ein Schelm, der zudem B\u00f6ses dabei denkt, dass die Firma Veranstaltungen von Gef\u00e4ngnisbeamten sponsert, oder aber teure Werbeanzeigen in Fachzeitschriften bucht, die sehr vollzugsnah sind (wie <a href=\"http:\/\/anonym.to?http:\/\/www.forum-strafvollzug.de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">\u201eForum Strafvollzug\u201c<\/a>), herausgegeben von der Gesellschaft zur Fortbildung der Strafvollzugsbediensteten e.V. (eine ganzseitige Anzeige in der Ausgabe Mai\/Juni 2013).<\/p>\n<p>Alles Werbungskosten, die zum einen steuerlich absetzbar und auch noch bequem umlegbar sind auf die Verkaufspreise \u2013 die dann ausschlie\u00dflich die Gefangenen bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<br \/>\nc\/o JVA (Sicherungsverwahrung)<br \/>\nHermann-Herder-Str. 8<br \/>\nD-79104 Freiburg<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon in den zur\u00fcckliegenden Jahren berichtete ich mehrfach \u00fcber die Firma Massak Logistik GmbH und den massiven \u00c4rger unter Gefangenen, was die Belieferung mit Nahrungsmitteln angeht (Gef\u00e4ngnisladen-Betreiber im Schlaraffenland &amp; Knast-Shop-Preise ein \u00c4rgernis). 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