{"id":9565,"date":"2013-11-06T16:08:56","date_gmt":"2013-11-06T15:08:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=9565"},"modified":"2013-11-06T16:08:56","modified_gmt":"2013-11-06T15:08:56","slug":"thomas-meyer-falk-heroin-im-knast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-heroin-im-knast","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Heroin im Knast!?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[9565]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" title=\"faust-durchs-gitter\" alt=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>In den Gef\u00e4ngnissen finden sich zahlreiche Menschen mit Drogenproblemen. Wohl erstmals in Deutschland sprach nun ein Gericht einem Inhaftierten das Recht auf eine Diamorphin-Substitution zu.<\/p>\n<p><em>Drogenabh\u00e4ngigkeit in Vollzugsanstalten<\/em><\/p>\n<p>Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass der Anteil der drogenabh\u00e4ngigen Gefangenen circa 30 \u2013 40 % betr\u00e4gt (vgl. Prof. Dr. St\u00f6ver, in \u201e<a href=\"http:\/\/www.forum-strafvollzug.de\" target=\"_blank\">Forum Strafvollzug<\/a>\u201c, 2013, S. 275 ff;).<!--more--> Gegen\u00fcber der Allgemeinbev\u00f6lkerung ist das rund der 70-fache Wert. Damit in Zusammenhang steht dann auch eine erh\u00f6hte Rate an Hepatitis- und HIV-Infektionen. Bei Hepatitis wird von einer Infiziertenrate von etwa 14 \u2013 17 % ausgegangen und bei HIV von rund 0,8 \u2013 1,2 %.<\/p>\n<p>An anderer Stelle habe ich \u00fcber das <a title=\"Thomas Meyer-Falk: Tod eines HIV-positiven Gefangenen\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/thomas-meyer-falk-tod-eines-hiv-positiven-gefangenen\" target=\"_blank\">Sterben eines schwerst drogenabh\u00e4ngigen und HIV-infizierten Gefangenen<\/a> berichtet; aber nicht immer endet eine solche \u201eKarriere\u201c t\u00f6dlich.<\/p>\n<p><em>Folgen der Drogenabh\u00e4ngigkeit<\/em><\/p>\n<p>In jedem Gef\u00e4ngnis der Welt d\u00fcrfte man an fast jede Droge gelangen, auch wenn mantraartig die Gef\u00e4ngnisleitungen beteuern, sie w\u00fcssten von keinem Drogenproblem oder es sei zumindest \u00fcberschaubar. So hat in den letzten Jahren das Substitutionsmittel \u201eSubutex\u201c eine ungeahnte Belebung des Drogenmarktes in den Gef\u00e4ngnissen bewirkt. Die Tabletten werden pulverisiert und dann zu H\u00f6chstpreisen (bis zu 100 Euro pro Tablette) ver\u00e4u\u00dfert. Zum einen geraten so viele Betroffene in die Schuldenfalle, zum anderen ist es bezeichnend f\u00fcr einen angeblich \u201emenschenw\u00fcrdigen\u201c Vollzug, wenn tausende Gefangene den Alltag nur dann aus- und durchhalten, wenn sie Drogen konsumieren.<\/p>\n<p><em>Legale Substitution<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der subkulturelle Handel mit Subutex, wie mit anderen Drogen, strafbar ist und auch von den Anstalten und Gerichten, so denn F\u00e4lle bekannt werden, geahndet werden, gibt es in einigen Bundesl\u00e4ndern quasi \u201eDrogen auf Rezept\u201c, wie manche ironisch sagen. D.h. man erm\u00f6glicht Drogenabh\u00e4ngigen, bei Vorliegen der Indikation, die Teilnahme an \u201eMethadon-Programmen\u201c.<\/p>\n<p>Ein- oder zwei Mal am Tag erhalten sie in fl\u00fcssiger Form Methadon, um auf diese Weise nicht dazu gezwungen zu sein, sich auf dem Schwarzmarkt der Anstalt mit Bet\u00e4ubungsmitteln zu versorgen.<\/p>\n<p><em>Heroin auf Rezept<\/em><\/p>\n<p>Seit 2011 sieht eine Verwaltungsvorschrift des Justizministeriums Baden-W\u00fcrttemberg vor, dass geeignete Gefangene an einer \u201eDiamorphin-Substitution\u201c teilnehmen k\u00f6nnen sollen. Bis dato umgesetzt wurde die Vorschrift nicht.<\/p>\n<p>Dessen ungeachtet, hat in einem bundesweit wohl bislang einmaligen Beschluss, die mit drei RichterInnen besetzte Gro\u00dfe Strafvollstreckungskammer des Landgericht Freiburg (Az.: 12 StVK 402\/13 (SV), Entscheidung vom 08.10.2013) die Justizverwaltung verpflichtet, dem Betroffenen, Herrn R. \u201e<em>binnen einer Frist von 6 Monaten (\u2026) die Teilnahme an einer Diamorphin-Substitution anzubieten<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Herr R. sitzt nun seit \u00fcber 8 Jahren in Sicherungsverwahrung. Zur Finanzierung seiner Sucht hatte er r\u00e4uberische Diebst\u00e4hle begangen, deretwegen er am 06.04.2000 zu insgesamt vier Jahren Haft und Unterbringung in der Sicherungsverwahrung (zur Realit\u00e4t des Vollzugs in der SV Freiburg vgl.) verurteilt worden war.<\/p>\n<p>Da die ihm bislang angebotene Behandlung und Therapie in der JVA Freiburg ungen\u00fcgend sei, so das Gericht, mache man von der seit 01.06.2013 geltenden Rechtslage (\u00a7 67 d Abs. 2 Satz 2 StGB) Gebrauch. Das bedeutet: Sollte die Justizverwaltung die Diamorphin-Substitution verweigern, ist Herr R., ungeachtet der ihm weiterhin von einem Gutachter attestierten \u201eGef\u00e4hrlichkeit\u201c, frei zu lassen.<\/p>\n<p>Im Grunde ist es \u00e4rgerlich und bezeichnend f\u00fcr die desolate Versorgung schwerst drogenabh\u00e4ngiger Inhaftierter, dass ein Gericht zu solch einem Mittel greifen muss, um eine ad\u00e4quate Behandlung und Therapie einzufordern.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<br \/>\nc\/o JVA (Sicherungsverwahrung)<br \/>\nHermann-Herder-Str. 8<br \/>\nD-79104 Freiburg<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Gef\u00e4ngnissen finden sich zahlreiche Menschen mit Drogenproblemen. 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