{"id":9665,"date":"2013-12-01T13:32:42","date_gmt":"2013-12-01T12:32:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=9665"},"modified":"2014-12-24T10:19:44","modified_gmt":"2014-12-24T09:19:44","slug":"see-und-sehnsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/see-und-sehnsucht","title":{"rendered":"See und Sehnsucht"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Der-Seewolf.jpg\" rel=\"lightbox[9665]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-9666\" title=\"Der Seewolf\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Der-Seewolf-178x250.jpg\" alt=\"Der Seewolf\" width=\"125\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Der-Seewolf-178x250.jpg 178w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Der-Seewolf.jpg 188w\" sizes=\"(max-width: 125px) 100vw, 125px\" \/><\/a>\u00dcber das aktuelle St\u00fcck des Gef\u00e4ngnistheaters der JVA Pl\u00f6tzensee schreibt Johannes Spohr, \u00fcbernommen von <a href=\"http:\/\/www.preposition.de\/2013\/11\/29\/see-und-sehnsucht\" target=\"_blank\">www.preposition.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><span class=\"dropcap\">\u201eA<\/span>uf jedem anderen Schiff ist die Robbenjagd ein Fest f\u00fcr die Matrosen \u2013 aber die Ghost ist ein H\u00f6llenschiff schlimmster Art: Macht ist Recht, Schw\u00e4che ist Unrecht. Die Gro\u00dfen fressen die Kleinen, um sich die Kraft zur Bewegung zu bewahren. Sie bewegen sich, um zu essen und essen, um sich weiter bewegen zu k\u00f6nnen. Welchen Wert hat da das Leben?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Zwangsgemeinschaft unter den harten Bedingungen auf offener See, weit weg von Familie, Freunden und Gesellschaft: 10 Gefangene f\u00fchren in der JVA Pl\u00f6tzensee bis zum 6. Dezember \u201eDer Seewolf. Einmal im Leben\u201c frei nach Jack London auf. Moderne und poppige Elemente haben Einzug in das 70-min\u00fctige St\u00fcck gefunden: immer wieder Licht und laute Musik, Videos und Bewegung. Es wird gelacht, und doch geht es hier grundlegend vor allem um Sehnsucht, um nicht erreichbare W\u00fcnsche, um den Mangel, der sowohl dem \u201eH\u00f6llenschiff\u201c wie auch dem Knast immanent ist. Das best\u00e4tigt einer der Schauspieler im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch. Es ginge um all das, was einem im Knast verwehrt w\u00fcrde. Die entsprechenden Elemente haben die Gefangenen beigesteuert, und so ist der London-Text immer wieder abge\u00e4ndert und erweitert worden. So zum Beispiel, wenn es um schon lang nicht mehr geschriebene Briefe geht, um die k\u00f6rperliche N\u00e4he zu vertrauten Menschen oder die Entfremdung von den eigenen Kindern. \u201eDas ist kaum vorstellbar, wie es das f\u00fcr uns ist\u201c, sagt ein weiterer Inhaftierter. Die Proben und Auff\u00fchrungen lassen den Knast vergessen. Sie stellen gleichzeitig eine immense Anstrengung dar, weil fast alle Teilnehmenden bis zur Probe arbeiten.<\/p>\n<p>Das Regieteam, bestehend aus Hanni-Isabell Barfuss und Adrian Figueroa, hat sich bewusst dagegen entschieden, professionelle Schauspieler_innen von \u201edrau\u00dfen\u201c einzubinden. Sie wollten nur mit \u201eder Mannschaft\u201c spielen. Dem Theater eigentlich fremde Menschen daf\u00fcr zu begeistern sei eine besondere Herausforderung, eine andere Art zu arbeiten. Man erlebe dabei immer wieder gro\u00dfe \u00dcberraschungen. Das Theater an diesem besonderen Ort fange eigentlich schon in der U-Bahn auf dem Weg an, viele Vorurteile gegen\u00fcber Gefangenen lie\u00dfen sich damit widerlegen und Stereotype entgegen treten. Die Teilnehmer w\u00fcrden nicht nach ihren Taten befragt und bewertet, so solle ein m\u00f6glichst neutraler Raum entstehen. Es ist auch die vermeintliche Authentizit\u00e4t, die Regisseure in den Knast lockt. Figueroa betont, es werde beim Spielen unklar, was \u201eecht\u201c sei, das ganze habe etwas \u201epures\u201c, die Naivit\u00e4t nicht professioneller Schauspieler etwas besonderes. Die JVA Pl\u00f6tzensee, eine Anstalt \u201emittlerer Sicherheitsstufe\u201c, sieht ihren Auftrag als steuerfinanzierte Institution darin, sich zu \u00f6ffnen. Das Theater stelle eine kostenneutrale Erweiterung der M\u00f6glichkeiten der \u201eResozialisierung\u201c dar, daher sei man dem Projekt gegen\u00fcber positiv gesonnen. Ein Vertreter der Anstalt geht so weit, zu sagen, Pl\u00f6tzensee sei \u201ekein Knast im klassischen Sinne\u201c. Was das bedeuten mag bleibt sein Geheimnis.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.gefaengnistheater.de\/\">www.gefaengnistheater.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Seewolf. Einmal im Leben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vorstellungen in der JVA Pl\u00f6tzensee: 28.11., 29.11., 04.12., 05.12., 06.12. <\/strong><\/p>\n<p>MIt dem Gef\u00e4ngnistheater besch\u00e4ftigt sich auch der Artikel \u201cVersprechen und Strafen\u201d in der aktuellen Ausgabe der <a href=\"http:\/\/www.konkret-magazin.de\/\" target=\"_blank\">Konkret<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Zwangsgemeinschaft unter den harten Bedingungen auf offener See, weit weg von Familie, Freunden und Gesellschaft: 10 Gefangene f\u00fchren in der JVA Pl\u00f6tzensee bis zum 6. Dezember \u201eDer Seewolf. 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