{"id":9727,"date":"2013-12-09T23:22:42","date_gmt":"2013-12-09T22:22:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=9727"},"modified":"2014-12-22T21:40:15","modified_gmt":"2014-12-22T20:40:15","slug":"32-jahre-haft-free-mumia-abu-jamal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/32-jahre-haft-free-mumia-abu-jamal","title":{"rendered":"32 Jahre Haft \u2013 Free Mumia Abu-Jamal!"},"content":{"rendered":"<p><em>ver\u00f6ffentlicht vom Bundesweiten <a href=\"http:\/\/www.freiheit-fuer-mumia.de\" target=\"_blank\">FREE MUMIA Netzwerk<\/a>, Dezember 2013 auf <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/101095\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a><\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/mumia-abu-jamal.png\" rel=\"lightbox[9727]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" title=\"Mumia Abu-Jamal, seit 1982 in den USA im Knast\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/mumia-abu-jamal-192x250.png\" alt=\"Mumia Abu-Jamal, seit 1982 in den USA im Knast\" width=\"123\" height=\"160\" \/><\/a><span class=\"dropcap\">A<\/span>m 9. Dezember 1981 schoss ein Polizist in Philadelphia den afroamerikanischen Journalisten und ehemaligen Black Panther Mumia Abu-Jamal nieder. Der Polizist verletzte auch seinen Bruder schwer und wurde darauf hin von einem weiteren Anwesenden selbst erschossen. Sp\u00e4ter verurteilte ihn eine von Staatsanwalt und Richter manipulierte Jury ohne Beweise in einem weltweit kritisierten Verfahren paradoxerweise, den Polizisten ermordet zu haben. Mumia erhielt die Todesstrafe. Gegen seine Hinrichtung und f\u00fcr die Freilassung haben sich seit dem mehrere Generationen von linken Aktivst*innen \u00fcberall auf der Welt eingesetzt. 2011 gaben die Beh\u00f6rden ihre Mordabsichten endg\u00fcltig auf, hielten Mumia aber weiter in Haft. Trotz gerichtlich anerkannter Verfassungsbr\u00fcche durch alle Instanzen der US Justiz weigert sich diese bis heute, den afroamerikanischen Journalisten freizulassen.<\/p>\n<p>Heute ist Mumias 32. Haftjahrestag.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Mumia Abu-Jamals Verurteilung 1981 sind zum einen darin zu suchen, dass Teile der Beh\u00f6rden den couragierten Journalisten zum Schweigen bringen wollten. Mumia hatte in den Jahren vor seiner Inhaftierung regelm\u00e4\u00dfig mit seinen Berichten \u00fcber beh\u00f6rdliche Korruption im sozialen Wohnungsbau, \u00fcber die damals w\u00f6chentlich t\u00f6dliche Polizeigewalt und die Klassenjustiz seiner Stadt f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Nicht umsonst erhielt er schon Jahre vor seiner Verhaftung den Beinamen &#8220;The Voice Of The Voiceless&#8221;\u00a0 &#8211; die Stimme der Unterdr\u00fcckten, und das ausgerechnet von einem ehemaligen Arbeitgeber, der Tageszeitung \u201ePhiladelphia Inquirer\u201c, wo er zuvor wg. seiner kritischen Berichterstattung entlassen worden war. Nach seinem Verst\u00e4ndnis von revolution\u00e4rem Journalismus nahm Mumia immer wieder die Perspektive der von Rassismus, Ausbeutung und staatlicher Willk\u00fcr Betroffenen ein und machte sich schnell viele einflussreiche Feinde. Dies eskalierte vor allem, als er 1980 der f\u00fcr Pennsylvania zust\u00e4ndige Nachrichtenredakteur des US- und weltweit ausgestrahlten Senders NPR wurde. Mumia war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung Vorsitzender der Afroamerikanischen Journalist*innen Vereinigung\u00a0 in Pennsylvania.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite war und ist die in vielen B\u00fcchern und Dokumentationen ((Mumias Fall wurde von sehr vielen Autor*innen und K\u00fcnstler*innen in B\u00fcchern, Filmen und CDs behandelt. Eine (vermutlich unvollst\u00e4ndige) Auflistung findet ihr hier: <a title=\"http:\/\/mumia-hoerbuch.de\/buecherfilme.htm\" href=\"http:\/\/mumia-hoerbuch.de\/buecherfilme.htm\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">mumia-hoerbuch.de\/buecherfilme.htm<\/a>)) beschriebene Ignoranz und Manipulation in seinem Verfahren kein untypisches Verhalten in US-amerikanischen Gerichtss\u00e4len. Mangelhafte Verteidigung sind den meisten der knapp 2,5 Millionen Gefangenen in den USA vertraut, schlicht, weil sie sich keine angemessene Verteidigung leisten k\u00f6nnen. Gerade in einem Todesstrafenverfahren belaufen sich die Durchschnittskosten einer erfolgreichen Verteidigung bis heute auf \u00fcber 200.000 $, welche die Angeklagten selbst mobilisieren m\u00fcssen. In den Todestrakten der USA sitzen keine Reichen. Ferner gibt es das massenhafte Ph\u00e4nomen der rassistischen Jury-Auswahl weit \u00fcber Pennsylvania hinaus zu beobachten, welches von der Staatsanwaltschaft eingesetzt wird, um m\u00f6glichst Arme und People Of Color aus den Jurys herauszuhalten, um so eine Verurteilung zu erreichen. Ausgesprochene Todesstrafengegner*innen d\u00fcrfen auch nicht in Jurys sitzen, in denen es um Kapitalverbrechen wie z.B. eine Mordanklage geht. Die Mehrheit der Gefangenen in den US kommt daher aus den Communities of Color, obwohl diese nur eine Minderheit in der Gesellschaft ausmachen.<\/p>\n<p>Mumia und viele andere kritisieren das Justizsystem der USA seit Jahrzehnten als eine S\u00e4ule der modernen Sklaverei unter anderem Namen, die ihren offensichtlichsten Ausdruck in der Gef\u00e4ngnisindustrie findet.<\/p>\n<p>Als es der weltweiten aktiven Solidarit\u00e4tsbewegung f\u00fcr Mumia Abu-Jamal 2011 gelang, endg\u00fcltig die Hinrichtung zu verhindern, sorgte das f\u00fcr ein Aufatmen bei vielen, die sich\u00a0 \u00fcber mehrere Jahrzehnte f\u00fcr seine Freilassung engagiert hatten. Verst\u00e4ndlicherweise verlagerten viele ihre Aktivit\u00e4ten danach auf andere Gebiete und Themen und nahmen selbst nicht mehr aktiv Einfluss auf die weitere Entwicklung. Trotz des zahlenm\u00e4\u00dfigen R\u00fcckgangs der Aktivit\u00e4ten hat sich jedoch eine Bewegung konsolidiert, die die Freilassung des Journalisten durchsetzen will. Dabei geht es um weitaus mehr als das Schicksal eines von der Repression schwer angegriffenen Genossen. Die jahrzehntelange Kampagne f\u00fcr Mumia Abu-Jamal hat bereits etliche Mythen der b\u00fcrgerlichen Klassenjustiz blo\u00dfstellen k\u00f6nnen. Niemand glaubt heute mehr an eine faire und f\u00fcr alle zug\u00e4ngliche Justiz in den USA oder an ein Ende des Rassismus, wie es Pr\u00e4sident Obamas Demokratische Partei nach seiner ersten Wahl so gerne propagierte. Mumias Fall ist auf gar keinen Fall der einzige, indem die Beh\u00f6rden massive Rache an Revolution\u00e4r*innen in den USA genommen haben ((siehe dazu z.B. das &#8220;Postamt f\u00fcr Gefangene&#8221; <a title=\"http:\/\/mumia-hoerbuch.de\/post.htm\" href=\"http:\/\/mumia-hoerbuch.de\/post.htm\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">mumia-hoerbuch.de\/post.htm<\/a>)).<\/p>\n<p>Die moderne Anti-Todesstrafenbewegung hat ganz wesentliche Impulse aus den Mobilisierungen gegen Mumias Hinrichtung 1995 und 1999 erhalten, nicht zuletzt durch Mumias eigene Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber die vergessenen Hochsicherheitstrakte, in denen Verurteilte oft Jahrzehnte auf ihre Hinrichtung warten. Sein 1995 erschienenes Buch &#8220;Live From Death Row&#8221; er\u00f6ffnete die Thematik f\u00fcr ein weltweites Publikum, entwickelte sich zu einem Bestseller und wird bis heute in vielen verschiedenen Sprachen aufgelegt. Dar\u00fcber hinaus setzt sich Mumia kontinuierlich f\u00fcr Mitgefangene ein und nimmt an vielen Kampagnen gegen Krieg, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung teil.<\/p>\n<p>Dachten die Beh\u00f6rden 1981, einen unliebsamen Kritiker durch Ermordung ruhig stellen zu k\u00f6nnen, ist Mumia mit seinen Berichten und Kommentaren heute medial weitaus pr\u00e4senter als er es vor seiner Verhaftung war ((Mumia Abu-Jamal wird w\u00f6chentlich im Original auf Prison Radio ver\u00f6ffentlicht: <a title=\"http:\/\/www.prisonradio.org\/\" href=\"http:\/\/www.prisonradio.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">www.prisonradio.org<\/a> &#8211; Regelm\u00e4\u00dfig ist er via Telefon im Democracy Now Medien-Netzwerk und zahlreichen lokalen Radiostationen der USA pr\u00e4sent. Weltweit wird er in weit \u00fcber 100 Medien ver\u00f6ffentlicht. In deutscher Sprache erscheinen seine Kolumnen ebenfalls w\u00f6chentlich in der Tageszeitung Junge Welt und kleineren\u00a0 Medien, z.B. Radio Aktiv Berlin <a title=\"http:\/\/cba.fro.at\/250940\" href=\"http:\/\/cba.fro.at\/250940\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">http:\/\/cba.fro.at\/250940<\/a>)). Mumias fortgesetzte Inhaftierung und die sich wiederholenden Versuche der Beh\u00f6rden, ihn von der Au\u00dfenwelt zu isolieren, sind dank der engagierten Solidarit\u00e4t bisher letztendlich immer ins Leere gelaufen. Sollte es der Solidarit\u00e4tsbewegung in naher Zukunft gelingen, den vermutlich bekanntesten Gefangenen der USA entgegen dem enormen politischen Druck zu befreien, w\u00e4re das ein gro\u00dfer Schritt in Richtung einer Gesellschaft ohne Gef\u00e4ngnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>Mumia Abu-Jamal<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>#AM 8335<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>SCI Mahanoy<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>301 Morea Road<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Frackville, PA 17932<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>USA<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. Dezember 1981 schoss ein Polizist in Philadelphia den afroamerikanischen Journalisten und ehemaligen Black Panther Mumia Abu-Jamal nieder. 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