Tacheles reden und warum jedes Parlament brennen soll

Burning parliament in Montreal in 1849Zu den Anschuldigungen, Anonym und weniger Anonym, an die Zelle der informellen anarchistischen Föderation/Lambros Fountas (FAI) aufgrund ihrer letzten Offensive.

Am 23. Dezember 2010 verschickte die Zelle der Federazione Anarchica Informale/Lambros Fountas in Rom Briefbomben an die Botschaften von Chile und der Schweiz in Solidarität mit kämpfenden Gefangenen dieser beiden Ländern. Es kam zur Verletzung von zwei Angestellten.

Oder die ewige Frage der Gewalt.

Wien, geschrieben von den üblichen Verdächtigen im Februar 2011
und im Sommer 2011 veröffentlicht.


„Ich werde nicht wirklich Frei, als durch die Freiheit von anderen. Ein Glück, dass desto zahlreicher die Menge an freier Menschen um mich herum ist, größer deren Freiheit ist und daher, tiefer, breiter und ausgedehnter meine eigene Freiheit wird“ (Mihail Bakunin)

„Ein Staat, der dich protestieren lässt, der dich bunt und harmlos vorbeiziehen lässt, ist sich bewusst, vor sich nicht einen schon geschlagenen Feind, sondern einen folkloristischen Narren zu haben, der sich freiwillig vor dem Herrn auf die Knie geworfen hat. Wir haben nicht die Absicht, unsere Praxis von den Ängsten des diensthabenden Hofnarren konditionieren zu lassen.“ (Beitrag zur Debatte für die Anarchistische und Antiautoritäre Bewegung. FAI / Handwerkliche Genossenschaft für Feuerwerk und ähnliches (gegebenenfalls spektakulär) )

Wie schrecklich sich die italienische FAI im Namen der Anarchie und aller italienischen AnarchistInnen verhält, ist eine unbeschreibliche Unverschämtheit. Genagelt, Verbannt wenn schon gar nicht Verbrannt gehören die Leugner der Anarchie. An den Kreuzen der Wahrheit sollten sie hängen. Sie und alle anderen, die die heiligen Wörter des Anarchismus mit ihrer Ideologie beschmutzen. Kritische Schlagzeilen sollten innerhalb anarchistischer Medien verbreitet werden, um diese Provokation ans Licht zu bringen. Kolonnen von AnarchistInnen sollten sich nach Carrara (dem Mekka der FAI in Italien) auf den Weg machen, um die Verantwortlichen zur Rede zu stellen. Um sie ihrer Schuld verantwortlich zu machen, ihnen die Zähne ausschlagen, die Beine brechen und auf der Stelle zu erschießen.
Eine blutige Orgie, die einzig zeigen wird, dass AnarchistInnen sich nicht ans Bein pissen lassen.
Ein Exempel sollte an diesen reformistischen Schweinen statuiert werden. Was heißt hier Schweine? Diese noblen Tiere, die nur aufgrund ihrer Unterdrückung sich in ihrem eigenen Dreck wühlen müssen, tragen nicht die Schuld ihres Schicksals. Nein, man kann nie und nimmer solche Tiere mit der FAI vergleichen.

Im Falle der FAI handelt es sich mehr um einen Haufen von hinterhältigen dreckigen Faschisten. Die Signale waren nie deutlicher zu hören… also auf zum letzten Gefecht.

Wie können GenossInnen mit denen Barrikaden, Schmerzen und Erfolge aufgebaut und geteilt wurden, nur solche üble Taten vorweisen. Als sie die Schamlosigkeit hatten die Listen ihrer Mitglieder dem italienischen Staat zu geben um ihren guten Willen diesen gegenüber zu zeigen (Zugegeben, das dies schon etwas länger her ist, es passierte aber dennoch). Wie kann die Avantgarde der italienischen AnarchistInnen so tief den Genossen und Genossinnen in den Rücken fallen? Wie können die Erben von Malatesta seine Ideen so tief in die ideologische Scheiße ziehen? Wer ist für diese üble hinterhältige Aktion verantwortlich? Warum haben anarchistische Gruppen überhaupt Mitgliedslisten? Wie kann das Geschwür des Leninismus innerhalb einer libertären Organisation in der Form der Bürokratie immer wieder auftauchen? Wie kann es soweit kommen das einige Gruppen Mitgliedsausweise besitzen bzw. welche haben wollen? Wie konnte die FAI dies alles nur machen? WIE WIE WIE WIE?

Ganz einfach, sie machten es. Denn schnell und gerne entziehen sich viele ihrer eigenen Verantwortung. Denn wie immer, (auch hier) geht es um Verantwortung, denn was ansonsten ist überhaupt Freiheit? Die FAI ist ja kein abstraktes Wesen, sondern nur der Name für eine Gruppe von Menschen, die diesem Namen ein Leben, eine Gestalt und einen Inhalt geben. Es ist eine Identität. Leicht zum anziehen, genauso leicht zum ausziehen.
Daher sind alle ihre Mitglieder verantwortlich für die FAI, aber sind sie es wirklich? Sind sich AnarchistInnen (im Allgemeinen) ihrer Verantwortung (sich) gegenüber, ihrer Taten und ihres Denkens bewusst? Spielt nicht eventuell die Geschichte, oder sogar der Schicksal nicht wieder einen Streich, eine Probe, einen Test? Die ewige Wiederholung ganz bestimmter Ereignisse, die der anarchistischen Geschichte nicht fremd sind?

Wie können daher AnarchistInnen die Gestalt des Bolschewismus nicht erkennen und bekämpfen? Warum ähneln anarchistische Gruppen mehr einer politischen Partei, als jenen subversiven Bund, der Partei für die Zerstörung der Lohnarbeit, des Staates, des Kapitalismus und des Patriarchats ergriffen hat? Nicht alles was sich als anarchistisch versteht, glänzt anarchistisch…

Wiedermal, ein Haufen an Fragen. Eine Betonung an jede einzelne wäre vernünftig. Genauso wie der Dichter, der jedes Wort als ein Schwert der literarischen Kulisse verstehen lässt…

Wie kann daher unter anderem verstanden werden, dass eine Organisation wie die FAI dem italienischen Staat nichts zu verbergen hat. So großzügig ist ihre Transparenz, dass sie sogar dem Staat zuvor kommt und für diesen arbeitet. Dienstleistung und Anerkennung politischer Gruppen zeigt deutlich beide Seiten der Münze der Politik. Eine Münze mit der teuer bezahlt wird.

Hier geht es aber doch gar nicht um die Federazione Anarchica Italiana/italienische anarchistische Föderation (oder auch FAI), die seitens vieler deutschsprachiger AnarchistInnen so vehement verteidigt wird. Sondern um die Verbrecher (eh alles nur Männer, … wahrscheinlich) der Federazione Anarchica Informale/informelle anarchistische Föderation (oder auch FAI(Informale)). Die letzten ziehen den ruhmreichen Namen der FAI in den Dreck. Alle reden jetzt nur noch von der ersten, oder doch nur von der zweiten?

Wie soll dieser ganze Theater verstanden werden? Es gibt also in Italien zwei Gruppen, die sich als FAI verstehen, aber nicht dieselben sind…

Da liegt eben der Zwiespalt der Geschichte. Auch in Marseille gibt es eine Hip Hop Crew die CNT heißt1 und sehr angepisst auf ein paar alte Säcke war, die mit schwarzroten Fahnen herum liefen und vor allem ihren Namen auf den Fahnen hatten. Das war für die ersten eine unglaubliche Unverschämtheit…
Den Syndikalisten der CNT wurden die Fahnen weggenommen und ein paar Watschen/Ohrfeigen haben sie auch kassiert. Mit den Kids in den Banlieus ist nicht zu scherzen. Proletarier wissen sich ja zu wehren, solange sie verstehen, dass ihre Fäuste der Dialektik einen Ausdruck verleihen…

Zur Geschichte in Marseille wurden nicht so viele Texte geschrieben und dieses Ereignis wurde auch nicht dem Staat oder irgendeinen Geheimdienst in die Schuhe geschoben.

Aber wie jeder Streit, jeder Disput, hat auch dieser einen Anfang, sonst kennt sich hier doch keiner aus. Wiedermal streiten sich AnarchistInnen und vieles wird verwechselt, verschwiegen, manipuliert, verzerrt… die Idee hier ist nur etwas Klarheit in dem Raum zu bringen.

Am 23. Dezember 2010 verschickte die Zelle der Federazione Anarchica Informale/Lambros Fountas Briefbomben an die Botschaften von Chile und der Schweiz in Rom. Aus Solidarität mit den kämpfenden Gefangenen dieser beiden Länder. Es kam zur Verletzung von zwei Angestellten in den Botschaften.
Dies ist nicht das erste Mal in Italien, bzw. auf der Welt, wo eine Zelle der FAI(Informale) sich für Anschläge gegen Institutionen der Repression in Solidarität mit Gefangenen verantwortlich macht. Die FAI(Informale), hat auch verschiedene Angriffe mit Sprengsätzen gegen Polizei oder Symbole des Kapitalismus durchgeführt.
Die Gruppen veröffentlichen meistens bei den Anschlägen BekennerInnenbriefe. Der Inhalt dieser ist meistens theoretisch sehr geprägt, so wie in den meisten Fälle aller BekennerInnenbriefe erklären sie die Tat, sowie das Hervorbringen von taktischen Vorschlägen an andere AnarchistInnen und an andere Gruppen der FAI(Informale).

Nichts desto trotz wurde seit dem Autreten dieser Gruppen, die FAI(Informale), mit viel Kritik, Distanz und Verdacht auf sie reagiert. Nicht nur in Italien und nicht nur in Deutschland. Und nicht immer auf dieselbe Art und Weise.
Es wird auch der FAI(Informale) unterstellt, dass diese keine „wirkliche“ anarchistische Gruppe bzw. Gruppen wären, da AnarchistInnen solche Aktionen nicht machen2. Daher der Verdacht, dahinter könnte nur ein verschleierter Haufen von Provokateuren im Dienste von Geheimdiensten unterwegs sein. Das übliche halt. Das übliche halt aber im deutschsprachigen Raum. Im Gegensatz zu anderen Ländern wo AnarchistInnen die FAI(Informale), aus einer Reflexion kritisieren und nicht anzeigen, wie es hier der Fall gewesen ist.3

Daher wird auch über eine reale und eine fiktive FAI geredet. Fiktiv ist hier jetzt fraglich welche der beiden Gruppen gemeint sein soll? Von der einen kann was gehört werden, steht natürlich die Frage im Raum wie wichtig die Resonanz der Medien ist und vor allem wie wichtig sie leider für die meisten AnarchistInnen ist. Damit wird der Hall der Explosion von Bomben gemeint und wie dieser in Form eines verzerrten Echos durch die Medien ins Reich des Spektakels reißt und dort einen Sinn ergibt.

Wie schrecklich gleich auch die Namen sein mögen, egal wie schrecklich noch dazu die Taten beider sind, unterscheiden sie sich wie Tag und Nacht, also nicht die Namen, sondern die Gruppen. Der Grund warum die Namen so gleich aufeinander liegen ist nicht fern einer Prise von schwarzem Humor.

„P.S.: Jede Ähnlichkeit mit der FAI, Föderation der italienischen Anarchisten, und mit dem FAI, Italienischer Fonds für die Umwelt ist rein zufällig, wir entschuldigen uns bei den Betroffenen.“ (Wer wir sind. Offener Brief an die anarchistische und antiautoritäre Bewegung, FAI / Handwerkliche Genossenschaft für Feuerwerk und ähnliches (gegebenenfalls spektakulär), FAI / Brigade 20. Juli, FAI / Zellen gegen das Kapital, das Gefängnis, die Schließer und ihre Zellen, FAI / Internationale Solidarität)

Nach diesen Anschlägen bei denen zwei Personen verletzt wurden, fing im deutschsprachigen Raum eine Diskussion/Polemik bzw. eine Entsolidarisierung mit den sogenannten anarchistischen Briefbombern an. Der Grund für diese Tatsache liegt an der Distanzierung einiger AnarchistInnen von Gewalttaten. Die Frage ob damit jede Art von Gewalttaten gemeint ist, oder nur jene die gegen Personen gerichtet ist, ist ungewiss. Da Äpfel meistens nicht wirklich weit vom Stamm fallen, stellt sich diese Frage, denn im deutschsprachigem Raum sind die uns bekannten gefangenen AnarchistInnen, meistens aufgrund von gewalttätigen Taten verhaftet worden. Bedeutet daher diese Entsolidarisierung doch nicht dann ein Bruch mit allen gefangenen AnarchistInnen? Ist die Entsolidarisierung nicht nur ein moralischer Schutzmantel gegenüber dem Staat und den guten Sitten? Eine bequeme und korrekte Geste? Eine Liebeserklärung an den sozialen Frieden? Ein Nicht-Angriffspakt an den herrschenden Zuständen?

Es ist nicht das erste Mal bzw. das letzte Mal, dass so eine Diskussion im deutschsprachigen Raum stattfindet. In den Jahren 2001/2003/2004 fand in denselben Parametern bzw. halluzinogenen Zuständen, mit denselben Argumenten, mit denselben Denunzieren und Vorwürfen die Diskussion um die FAI(Informale) statt.

((….) Genua (…) G8 (…) “Der Zweck dieses Vorhabens ist klar eine Spaltung dieser politischen Bewegung in liebe (friedliche) und böse (gewalttätige) DemonstrantInnen. Der Einsatz ihrer Mittel ist schier unbegrenzt. Vom Staat inszenierte Bombenanschläge hatten in Italien eine traurige Vergangenheit. Etliche Bombenanschläge wurden erwiesenermaßen von Geheimdiensten und Faschisten ausgeführt. In der Presse wurden diese aber den sogenannten Linksextremisten in die Schuhe geschoben. Da kann sich unsereins fragen, ob die Attentate in Genua wirklich von linken Globalisierungsgegnern verübt wurden. Um das Bild der gewalttätigen unpolitischen Demonstranten aufrechtzuerhalten, reihten sich an den Demonstrationen in Genua Polizisten unter die Globalisierungsgegner (…) Gesprochen wird nur noch von militanten Anarchisten und Chaoten. Kurz Polit-Hooligans[…]“ gez. „Anarchistische und Autonome Gruppen Bern“ (WoZ Nr. 30 / 26. Juli 2001, )

Es ist interessant zu betrachten wie sehr sich dieselben Wörter, dieselbe Sprache und Vorwürfe wiederholen. Ein und dasselbe Ritual, wenn innerhalb anarchistischer Kreise um Gewalt diskutiert wird. Wird dies aber auch, oder ist es nicht nur eine schlichte Anzeige gegen jene, die sie ausüben?

Auch wenn die Namen der Denunzierten und Denunzianten andere sind, bleibt der Inhalt der Diskussion innerhalb eines selben Konsens. Dies bedeutet die Trennung zwischen guten und bösen AnarchistInnen. Interessanterweise eine Trennung, die nicht von den Herrschenden stammt, sondern von den sogenannten guten AnarchistInnen.

Wohl kaum zufällig trägt diese dasselbe Kürzel wie die Federazione Anarchica Italiana, die sich bereits von den Ereignissen im Jahr 2003 schärfstens distanziert und den Verdacht geäußert hatte, dass es sich bei der anderen „FAI“ um eine staatliche Phantomorganisation handeln könnte. Tatsächlich lassen sich in der jüngeren italienischen Geschichte mehrere Beispiele finden, bei denen Attentate dieser Art unter falscher Flagge durchgeführt wurden.“ (aus, Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen. Veröffentlicht von der LAW, Libertäre Aktion Winterthur)

Das Beispiel für diese Debatte ist mal die FAI(Informale), jedoch sitzt der Verdacht tief in der Tasche es handelt sich um einiges mehr als nur die FAI(Informale) und deren Aktionen.
Gelesen und gehört wurden schon etliche Male die Argumente, dass hinter diesen Aktionen (zumindest in Italien) niemand anders steckt als der Geheimdienst oder eine faschistische Verschwörung á la Gladio4, P2, oder der italienische Staat selber um die anarchistische Bewegung in Italien mit mehr Repression zu zerschlagen. Wenn aber in Anbetracht genommen wird, dass die FAI(Informale) leider schon weltweit Auftritte hat und dann all diese Zellen vom Geheimdienst gesteuert werden, dann wäre es vielleicht besser von einer böswilligen Verschwörung gegen den Anarchismus zu sprechen. Vielleicht kommt auch dieses Delirium zur Aussprache. Einige nennen es auch, den Ruf von AnarchistInnen in den Dreck zu ziehen. Im Endeffekt hysterische Schreie aus dem ideologischen Friseursalon.
Wer sich minimal mit der italienischen jetzigen politischen Situation beschäftigt, wird sich erinnern wie sehr Berlusconi von der kommunistischen Gefahr immer wieder warnt. Eine Gefahr, die nicht existiert, weil in Italien keine kommunistische Bewegung mehr seit dem Ende 70er Jahre existiert. Damit wird nicht die Kommunistische Partei Italiens gemeint, die immer wusste welche ihre Rolle im Kapitalismus ist, also diesen zu verwalten, sondern die zigtausende von ArbeiterInnen und StudentInnen, die sich autonom zu organisieren wussten.

Daher geehrte Damen und Herren, spitzen sie mal die Ohren, die anarchistische Bewegung in Italien ist mehr oder weniger Tod, genauso wie in Deutschland und Österreich. Hat es auch nie gegeben, dies zu erklären würde aber jetzt hier den Rahmen etwas sprengen. Vielleicht ein anderes Mal…
Gruppen wie die FAI, sind nichts weiteres als ein Marionettentheater des sozialen Friedens mit einem radikalen Anspruch. Der revolutionäre Anarchismus, war die Strömung die immer wieder von der Repression betroffen war.
Viele GefährtInnen kennen und kannten die Knäste von innen oder wurden zum Hausarrest verurteilt. Die radikale Linke in Italien, mit ihrer sozialen friedlichen Politik, streckt einen Arm der Herrschaft und dem Kapital. Diese wird nicht kriminalisiert.
Die Gründe mögen verschieden sein. Und auch hier ist die Analyse der Lage in Italien nicht das Hauptthema. Aber eins sollte gesagt werden, jene die die Gefängnisse von drinnen sehen oder gesehen haben, sind jene die sich dem Konflikt mit den Herrschenden mit Taten stellen und es sind gerade jene Individuen, die sich nicht über die Repression beschweren.

Die Beispiele auf die immer wieder nach Bedarf zurückgerufen wird – also gemeint wäre diese Verelendungstheorie der Repression – sind nach wie vor die sogenannte „Strategie der Spannung“5, sowie der Anschläge am 12.12.1969 wo in der Nationalen Landwirtschaftsbank an der Mailänder „Piazza Fontana“ eine Bombe explodierte, die 16 Tote und 84 Verletzte verlangte. Die meisten von ihnen waren Bauern. Der mittlerweile bekannte Staatsterrorismus6 lies sich zeigen.
Drei Tage später, nach dem Attentat an der Piazza Fontana, obwohl sich niemand zum Anschlag bekannte, wurden zwei Anarchisten festgenommen. Während des langen Verhöres sprang einer von ihnen, Giuseppe Pinelli, vor der Nase von mindestens fünf Polizisten aus dem Fenster des vierten Stockwerkes eines Mailänder Polizeireviers und überlebte den Aufprall nicht. Die Polizei stelle den Selbstmord, einer Tatbestätigung gleich nachdem das angebliche Alibi von Pinelli aufgeflogen war. Sehr schnell wurde klar, dass für den Anschlag weder Anarchisten verantwortlich waren, bzw. das Giusppe Pinelli nicht aus dem Fenster sprang, sondern rausgeworfen wurde.
Luigi Calabresi, der verantwortliche Kommissar für den Tod von Pinelli, wurde nachher am 17.05.1972 mit zwei Schüssen hingerichtet.
Es gab auch noch mehr Anschläge, die damals vom Staat, von der Mafia oder von Faschisten verursacht wurden, wie die Anschläge in Brescia 1974, in Bologna 1980 und viele andere…

Als diese Anschläge stattfanden, vor allem der im Jahr 1969 in Mailand, befand sich das Proletariat in dieser Stadt im Aufbruch, im offenen Konflikt in vielen großen Betrieben. Der Anschlag seitens der Regierung war eine Antwort auf die kämpfenden ArbeiterInnen. Der Kapitalismus legte seine demokratische Maske ab und zeigte sein Ich ohne Schminke. Dies ist im Laufe der italienischen demokratischen Geschichte sehr oft passiert, aber eben im Zusammenhang mit einer proletarischen Autonomie (1969-1978), die eine reale Gefahr für den Kapitalismus war.
Daher wenn einige gerne ihre Geister der Vergangenheit beschwören, sollten sie sich mehr über diese informieren.
Denn damit wird einfach gemeint, dass die sogenannte Strategie der Spannung nicht eine launische Antwort des Staats auf AnarchistInnen ist (sowie es einige jetzt mit der FAI(Informale) versuchen), sondern seine Haltung im sozialen Krieg gegenüber jeden und allen, die sich diesem anlegen.

Die Repression, alltäglich und überall anwesend, ist die Realität für alle die rebellieren oder aus diversen Gründen sich den etablierten Schienen nicht zu fügen wussten. Die Gewalt der demokratischen Staaten ist subtil, sie wird roh und rau (erst dann) wenn der Aufstand stattfindet. Ein Aufstand, der überall auf der Welt immer wieder stattfindet. Nur dass die meisten SalonanarchistInnen nie wirklich davon was mitkriegen.

Daher wenn Gewalt auftritt wird ihr, oder besser gesagt werden denjenigen, die sie ausführen, sämtliche Gräueltaten der Geschichte vorgeworfen. Sie würden der politischen Bewegung damit schaden. Was denn schaden wäre hier die Frage? Leider wollen diese KritikerInnen mit sanften Handschuhen niemals erkennen, dass es die Untätigkeit “ihrer” politischen Bewegung ist, die sie ersticken lässt und nicht die Fantasie einer Repression, welche sie nicht treffen wird. Der Staat kennt ja seine Verbündete.

Ein historisches Dilemma was nie wirklich überwindet werden konnte, vor allem in Zeiten wo der soziale Frieden alles beherrscht und bestimmt, ist die Frage die, wie die Praxis ausschauen soll. Während die Linke nichts anderes als einen bürgerlichen Überlebenskampf führt (Antifaschismus, Bündnisse mit Parteien und Gewerkschaften gegen die Krise, Verteidigung sozialer Rechte, wirtschaftliche Verbesserungen, Menschenrechte, Unterstützung von Minderheiten…) und da den Platz der Sozialdemokratie einnimmt, oder deren linken Flügels, herrscht viel Verwirrung in einigen rebellischen Herzen. Die Flucht nach vorne, wie es die Linke auf dem Silbertablett der Demokratie vorschlägt, ist nichts anderes als die humane Verwaltung des Kapitalismus. Es gibt kein kommunistisches Projekt mehr. Aber diejenigen, die es auf die eine Art und Weise versuchen, mit ihren Erfolgen und Niederlagen, mit ihren Fehlern und Siegen… die werden als Provokateure, als Spitzel, als Verantwortliche der totalen Repression angeklagt.

Heutzutage ist bewiesen worden, dass AnarchistInnen nichts mit den Anschlägen zu tun hatten, die in Mailand oder Bologna stattfanden, dafür in vielen anderen wo keine Menschen starben, bzw. wo Menschen gezielt ermordet wurden. Was dies bedeutet, kann nur innerhalb eines kollektiven Rahmens diskutiert werden. Nicht hinter den Kulissen der Politik, wie es einige gerne machen. Denn das ist eine der tragenden Säulen dieser Tragödie, hier wird von einigen AnarchistInnen Politik betrieben.

Was der kollektive Ruf nach Rache angeht, kann nur der Fall von der Ermordung von Luigi Calabresi wieder erwähnt werden. Nach der Ermordung von Pinelli, wurden auf den meisten proletarischen Demonstrationen für die Ermordung von Calabresi skandiert. Die Masse wollte Rache, sie bekam sie auch drei Jahre später. Ist diese gerechtfertigt nur weil es viele wollten? Auch dies kann nur kollektiv diskutiert werden.

Daher, wenn so gerne historische Vergleiche gemacht werden, sollten die damaligen historischen Bedingungen bewusst sein. Die jetzige Entsolidarisierung hat weniger mit der damaligen revolutionären Situation der 70er in Italien zu tun. Genauso wenig wie mit der Solidarisierung, die damals das Proletariat mit ihren Gefangenen auszusprechen wusste. Für das autonome kämpfende Proletariat war der Anschlag auf der Piazza Fontana nur ein deutliches Signal der bürgerlichen Konterrevolution.

Die FAI und viele die einen wahren Namen nachahmen dürfen ihre Autorität und ihr Copyright nicht beschmutzen lassen. Dass weiß auch seit langer Zeit die FAI und der italienische Staat. Was aber der italienische Staat seit längerem auch weiß, was die eigene FAI aber nicht weiß, ist das aus Organisation wie die FAI zu jetzigen und zur kommenden Zeit keine Gefahr ausbrechen wird, um die Säulen der Langeweile, der Verdorbenheit, der bürgerlichen Konterrevolution und der Autorität niederzureißen. Das kann auch nicht passieren, denn so schaut die Autopsie der Leiche solcher „lebenden“ Gruppen ja aus.
Denn auch wenn es die Entscheidung der FAI ist, sich wie eine leninistische Partei zu verhalten, wird dies seit langem bewusst ignoriert.
Die Heuchelei seitens der FAI, der LAW (Libertäre Aktion Winterthur) und anderer ähnlichen zum Thema Gewalt ist auch nicht neues. Denn ja, gewiss, in Wirklichkeit geht es hier um die unendliche Debatte von der Verwendung von Gewalt und vor allem dem Risiko, dass Menschen dabei verletzt werden.
Heuchelei seitens vieler Anarchisten und AnarchistInnen, weil sie sich nach wie vor mit Gewalt auf geilen, die verjährt ist, oder wo anders auf der Welt stattfindet. Sei diese individuell oder kollektiv, sei sie anhand der Räte 1919 in Deutschland, durch Durrutis Pistole, Aufstände in Nordafrika, wilde Streiks in China, Strassenschlachten in Athen…

Gewalt ist so immanent innerhalb der Menschheit, dass das alleine ein Grund ist um sie zu überwinden. In Gewalt erzogen, groß geworden, mit Gewalt sterben. Im Kindergarten, in der Schule, in der Arbeit, in der Familie, in der Beziehung…Gewalt ist abscheulich und allgegenwärtig, Gewalt bedeutet Leiden, Gewalt dient der Unterdrückung… Hierüber redet aber niemand, ohne sich dieser stellen zu wollen. Nur aus der Tribüne der Moral, belehrend mit dem Lehrerfinger und mit schlauen Zitaten von Malatesta7, wird denunziert. So ein Weg schlägt die Linke ein, nicht aber der revolutionäre Anarchismus.

Es herrscht ein sichtbarer Krieg auf den Straßen wo tausende, hunderttausende, Millionen von Menschen Tag ein und aus um ihr Leben ringen und tiefer in das kapitalistische Elend stürzen. Auf welcher Seite der Barrikade stehen AnarchistInnen in diesem Krieg und welche sind ihre bevorzugten Waffen8? Was lernen sie aus der Geschichte und aus der Gegenwart?

Daher verwundert die Hysterie, die aus den Reihen gewisser anarchistischer Gruppierungen im deutschsprachigen Raum stammen, nicht. Denn sie haben ja tiefe historische Gründe. Unter anderem nicht mit der eigenen Geschichte sich auseinanderzusetzen. Oder in Form einer entfernten Geschichte nach dem Motto, „das geht mich nichts mehr an“, oder einer Belehrung, „wir wussten, dass es so nicht funktionieren könnte“. Das erste zeigt die Ignoranz zur eigenen Geschichte, das zweite die postmoderne Ignoranz zur Gegenwart.

Daher wundert auch die Schwäche der meisten Aktionen, die heutzutage stattfinden, nicht. Diese werden auf ihren Ursprung reduziert. Dort wo viele immer nur mit ihren Aktionen auf Resultate warten – sogar eher hoffen- kann die spontane kraftvolle Aktion, jene die aus dem Wunsch nach Freiheit entsteht, nicht stattfinden. Kraft und Durchschlag verleiht ihr den Moment der Befreiung und dies ist die Tat selbst. Die Vermarktung der Aktion, das christliche Hoffen andere würden dabei sich inspirieren und dies nachmachen… ist nur Politik.
Wer auf Ergebnisse wartet bzw. Akzeptanz schnorrt, verstärkt seine Heuchelei so wie es die LAW auch macht. Aber genauso wie die FAI(Informale), die mit ihren Namen und ihrem Spektakel sich nicht aus der Logik der Politik zu befreien weiß. Wer die Agitation als Überwindung versteht und auslebt, der reicht die Hand in das unendliche Reich der Freiheit und der Phantasie. Wer die Agitation als ein Weg für die Durchsetzung politischer Ziele begibt, der befindet sich mitten in der Welt der Politik und daher mitten in der Logik herrschender Praxis.

Es ist davon auszugehen, dass der libertäre Weg, der immerhin die Enteignung der Besitzenden und die Überwindung materieller Privilegien beinhaltet, auf brutalen Widerstand derjenigen stoßen wird, die sich diesen Gütern beraubt sehen. Ein Herrschaftsverhältnis beruht immer auf (unscheinbarem oder offensichtlichem) Zwang. Und dieser schließt immer auch Gewalt ein, der wir nur als starke revolutionäre Massenbewegung entgegentreten können.“ (aus, Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen. Veröffentlicht von der LAW, Libertäre Aktion Winterthur)

Eine Tat, eine Aktion, ist ein radikaler Ausdruck des Individuums. Die Revolte heißt Leben und nicht andersrum. Genauso wie die Freiheit, wächst ihr Ausdruck inmitten der Beteiligung anderer Individuen. Nicht der Gruppe oder der Masse willens, sondern weil dieser Ausdruck, diese Tat, diese Aktion geteilt wird. Denn ohne Individuen kann es kein Kollektiv geben.
Die Negation des Individuums ist einer der Siege der Ideologien. Angefangen mit der Demokratie, durchgehend bis zu theologischen Befreiungsideologien, die der bewaffneten Gruppen und wie die der linksradikalen AktivistInnen.

Daher der Mythos, sich an den Glauben festzuhalten, dass individuelle Aktionen unverantwortlich sind und dass nur die von der Masse gesteuerte Aktion „gerecht” sei. Dies kann auch von einer Minderheit stammen, die immer gerne im Namen einer Mehrheit spricht (die revolutionäre Avantgarde, die fürs Proletariat, für die Unterdrückten, blablablablablablabla… kämpft).
Und doch wird es so durchgekaut, so lange zumindest, bis diese Idee in den Köpfen der Menschen eingehämmert wurde und Individuen ihre eigenen Taten aufgeben.

Die Gewaltlosigkeit z.B. setzt sich daher nicht mit der Gewalt der Gesellschaft auseinander. Ihre Befürworter tun sie so lange satanisieren, dass sie schon auffällig zu den starrsten Anhängern dieser Gewalt werden. Nur der Staat darf sie anwenden, niemand anders. Ohne sie -die Gewalt- würde ihre Existenz als Gewaltlose keinen Sinn machen.
Genauso wie die Kirche das Leiden und die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, darf nicht vergessen werden, dass es Freiwillige für die Kreuzzüge und die Kreuzigung geben muss.
In der Heuchelei dieser Kritiker, die nie wussten wie mit dem Christentum abgerechnet wird, wird immer wieder nur die andere Wange hingehalten. Diese Tat versucht dabei nur eine gewisse Verurteilung des Ausdruckes der Gewalt zu kritisieren. In ihrer Essenz wird sie nicht in Frage gestellt, weder noch bekämpft. Es wird nur die Wichtigkeit dieser bestätigt.
Zweifelsohne, dass eine der Quellen der Gewalt, im Laufe der Geschichte, Religionen und dessen Aufzwingen sind. Vor allem auf einer psychologischen Ebene.
Sogar die sogenannten friedlichen9 „Revolutionen“ waren gewalttätig. Weil sie die Gewalt auf sich ertragen ließen ohne diese zu bekämpfen. Wie viele tausende von Toten mussten die Anhänger von Gandhi zählen, um nachher fortgehend, anstatt von einer englischen, aber um von einer indischen Bourgeoisie unterdrückt und ausgebeutet zu werden?
Diese falschen Kritiker der Gewalt wissen, dass auch wenn sie eine Art von Gewalt kritisieren, diese aber nicht überwinden können. Auch sie sind dafür verantwortlich, dass diese in jeder sozialen Beziehung verewigt wird.

Daher in der Diskussion wo Befürworter oder Kritiker der Gewalt aufeinanderprallen, wird diese nur auf ihren spektakulären Ausdruck reduziert (Krieg, Zusammenstöße mit Bullen – Faschisten, Direkte Aktionen…). Wie schon oben gesagt, Gewalt ist allgegenwärtig. Durch diese immanente Präsenz ist sie viel komplizierter wie sie kritisiert wird, weil eben sie so tief in uns sitzt und weitergesponnen wird.
Wenn die Ausübung von Gewalt kritisiert wurde, dann nur ein Bruchteil dieser. Wenn sie benutzt wird, wird sie nur auf eine andere Ebene gebracht. Aber die Essenz der Gewalt wird nie in Frage gestellt. Es kann kein Licht am Ende des Tunnels bei dieser Diskussion gesehen werden. Weil beide Begriffe ewig und unbeweglich sind und dadurch nur absolute Wahrheiten verursachen, die nur in die Welt der Moral und in deren Ideologie münden. Keine dieser beiden absoluten Wahrheiten sind dem revolutionärem Verständnis nützlich, falls sie nicht in der Logik der absoluten Ideologie enden wollen.
Gewalt wird benutzt, aber sie wird verachtet. Weil wir bewusste Individuen ihrer Freiheit und ihrer Geschichte sind, wollen wir diese Praxis nicht ausreden, nur weil wir gerade keinen anderen Ausweg sehen. Aber da diese weder verehrt oder glorifiziert wird, weder anderen als kollektiven Ausdruck aufgezwungen wird, sehen wir die Nützlichkeit der Gewalt und deren Begrenzung. Die Gewalt ist ein Ausdruck, nicht ein Ziel.
Sie nützt solange, jede nicht von ihr zum Nutzen wird. Wir sind nicht gewalttätig weil wir sie benutzten, weder gewaltlos weil wir sie kritisieren. Der Bruch mit diesem moralischem Verständnis lässt uns zu, dass zu sein was wir sind. Anarchistische Individuen, die ihrer Verantwortung, ihrer Grenzen, ihrer Kraft sowie deren Möglichkeiten innerhalb einer Kritik ihrer eigenen Widersprüche bewusst sind.

Die Verwunderung eines anarchistischen Hippies der demokratischen Wissenschaften, Träger der Gebote der Gewaltlosigkeit, spiegelte sich in der Nummer 286 (Februar 2004) der Graswurzelrevolution als er sich fragte, wie es denn sein könne, dass die Massenmedien nicht verstanden hatten, das gute AnarchistInnen im Gegensatz zu bösen AnarchistInnen nur Plüschtiere haben und keine Pistolen unter dem Kissen verstecken.

Viel zu lange verdammt daher die Geschichte der Herrschenden, sowie die durch die Linke verfälschte Geschichte der Habenichtse, die Taten von Individuen wie einst ein Marinus Van der Lubbe10, Severino die Giovanni11 oder Quico Sabate12.

Die Rechten, weil sie Angst vor Individuen hat, die den Lauf der Geschichte beeinflussen und die Linke, weil sie Angst vor Individuen hat, die sie nicht kontrollieren kann und daher den Lauf der Geschichte beeinflusst.

Heute wie Gestern – und Morgen auch – wird gerne über die Masse geredet und wie diese am besten ihre Interessen vertritt wenn diese (Masse) kollektiv handelt. Sehr viel blablabla hinter nur leeren Phrasen. Es gibt in Mitteleuropa kein Klassenbewusstsein, es gibt kein Kollektiv welches gemeinsam einen Kampf für die Klassenlose Gesellschaft aufnimmt. Das Projekt des Kommunismus existiert nicht. Was soll Anbetracht dieser Realität der/die Einzelne machen? Was soll überhaupt der/die Einzelne machen? Soll er/sie sich denn Interessen der idealen kommenden Massen unterwerfen bzw. warten? Nur wenn es bewusste Individuen kann ein kollektiver Bewusstsein entstehen. Daher warum wird dem Individuum seine Autonomie abgeschworen? Kann der Einzelne nicht bewusst handeln? Treu der Linken nach, gibt es kein Individuum. Nur das Kollektiv existiert, auch wenn dieses nicht reell ist. Innerhalb des linksradikalen Ghettos gibt es kein handelndes Kollektiv. Nur eine kollektive Ästhetik und Entfremdung.
Die Interessen des Kollektivs werden ungern niedergeschrieben, die Avantgarde spielt hinter den Kulissen, daher wird kein Autonomes Agieren des Proletariats vorangetrieben, es sei dieser ist irgendeiner Organisation mit Rang und Name unterworfen. Wäre es dann der Fall, wäre jede Art von Agitation weder Autonom noch Subversiv, es wäre seiner Kraft entzogen und würde in die triste Realität der Entfremdung verfallen.

Die Marinus Van der Lubbe der Geschichte werden bekämpft, vergessen und begraben, anstatt sie als Beispiele der proletarischen Autonomie zu verstehen. Nach wie vor wird das Individuum für die „gute Sache“ geopfert und an die Wand genagelt. Genau neben unseren Wünschen nach Freiheit, neben den Wünschen nach Autonomie, Liebe und Abenteuer.

„Für uns alle ist es schwierig, adäquat auf ein politisches und soziales Klima zu reagieren, dass uns als ausgebeutete und mitfühlende Menschen in die Verzweiflung treiben muss. Dies sollte aber nicht Anlass sein, uns in die alten Illusionen der „Propaganda der Tat“ zu retten, und durch individuelle Gewaltakte die Gesellschaft ändern zu wollen. Deren Folgen werden Repression, Eskapismus und eine noch grössere Hoffnungslosigkeit sein, und nicht der Aufstand der Massen. Ebenso falsch ist es, die Unstrukturiertheit zum allgemeinen Handlungsprinzip von Anarchistinnen und Anarchisten zu erheben, wie es von unseren „aufständischen“ Genossinnen und Genossen gefordert wird. Ist jedeR nur sich selber verantwortlich, leistet das individuellen unberechenbaren Aktionen Vorschub, anstatt einer solidarischen Praxis, die stetig auf die soziale Revolution hinarbeitet, zur Entfaltung zu verhelfen.“(aus, Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen. Veröffentlicht von der LAW, Libertäre Aktion Winterthur)

Traurig ist die Feststellung (der Einsicht), dass sehr schnell immer wieder das Argument der Repression nach belieben benutzt wird.
Im demokratischen Spielplatz, wird die Anwesenheit vom Anarchismus toleriert. AnarchistInnen müssen dafür die Spielregeln wie alle akzeptieren und ebenso allen anderen auch aufzwingen. Daher wenn einige dieser AnarchistInnen sich für das Gegenteil entscheiden, herrscht mal Aufruhr bei der Schaukel oder bei der Rutsche und nicht beim Sandkasten, so wie es vorgesehen ist.
Die Harmonie darf nicht in Frage gestellt werden. Was Harmonie ist, wie sie ausschaut und wie sie stattfindet, dass entscheiden zwar nur die SozialarbeiterInnen auf dem Spielplatz, getragen und verinnerlicht wird sie jedoch von allen.
Daher wenn die LAW’s (mal als Exampel um am Ball zu bleiben, aber trotzdem als Synonym aller solcher Gruppen die es im Laufe der Geschichte gegeben hat), AnarchistInnen die auf Regeln verzichten, für Repression verantwortlich machen, ist dies nur ein weiteres Ergebnis der Niederlage des Anarchismus seit 1936. Eine weitere Erscheinung im Laufe der Geschichte vieler Nachfolger von Garcia Oliver13.
Die Vorwürfe solcher Gruppen treffen mehr Einklang mit leninistischen Avantgarden als die von anarchistischer Gruppen. Warum diese Aussage?
Die Avantgarde sorgt dafür dass niemand aus der Reihe tanzt. Dies ist ihr historisches Vermächtnis. Dies sind ihr Erbe und ihre Funktion. Ein Proletariat (oder Masse… je nach Geschmack), eine Organisation (Partei oder Gewerkschaft… je nach Geschmack) und eine Führung (oder Plenum… je nach Geschmack). Keine Macht den Räten, bedeutet wie immer alle Macht dem ZK (nicht die aus Magdeburg…). Was sich hier abspielt ist kein verzerrtes Plagiat eines Projektes was im Rausch einer langen Nacht entstanden ist. Es ist der absurde und traurige Zustand einer anarchistischen Bewegung. Entschuldigung, es wird der Zustand einer fiktiven anarchistischen Bewegung gemeint.

„Die revolutionäre Disziplin verbietet den assoziierten Menschen, politische Aktivitäten zu betreiben, die im Widerspruch zur ideologischen oder strategischen Linie der Organisation stehen.“(Die Libertäre Aktion Winterhur – Deine Ansprechpartnerin für anarchistische Theorie & Praxis)

Aus den Kämpfen werden Lehren gezogen und genau dies, auch wenn es ein Fehler war, ist die Aktion der FAI(Informale). Daher treibt die LAW nur vulgären Opportunismus. Sie setzen sich nicht damit auseinander. Nur billige Denunzianten sind sie. Sollten sie sich doch bitte ab jetzt in die Leninistische Aktion Winterthur umbenennen. Zutreffender wäre es durchaus. Denn wie gute Lehrlinge seiner Ideologie die sie tief in sich tragen (bewusst oder unbewusst), verabscheuen sie alles was sie nicht kontrollieren. Nur sie haben das Recht und die Moral über das Monopol des Klassenbewusstseins und des Anarchismus.

„Nur gemeinsam, durch organisierten und zielgerichteten Klassenkampf können wir dem kapitalistischen System die Stirn bieten. Einigkeit in der Theorie und Stringenz in der Praxis, föderalistische Strukturen und individuelle Disziplin sind die Qualitäten von solidarisch kämpfenden Anarchistinnen und Anarchisten, die tatsächlich die soziale Revolution – und nicht die totale Repression – wollen. Der Arbeitsplatz und die Schule, die Nachbarschaft und das Begegnungszentrum, die Strasse und das Flüchtlingsheim: Dies sind die Plätze unserer libertären Agitation, der Organisierung und des Kampfes – nicht die Spalten der bürgerlichen Medien, die nur darauf warten, mit reisserischen Schlagzeilen über den letzten Anschlag von Revoltierenden zu berichten.“(aus, Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen. Veröffentlicht von der LAW, Libertäre Aktion Winterthur)

Der LAW’s der Geschichte stellen sich die Haare vor Angst auf, wenn sie Repression wittern. Repression die niemand wirklich will. Aber es ist die Angst vor der Repression welche doch nur die Liebe an den sozialen Frieden spiegelt. Anstatt diese Angst offen zu legen, was vollkommen gerechtfertigt ist, weil nicht alle Menschen können und werden dasselbe machen, wird diese ausgeblendet. Viele GefährtInnen würden vieles in ihre Leben einbinden was sie sich nicht zu machen trauen. Dies ist eine wichtige Basis für die alltägliche Praxis. Im Vorhinein alle Türe zu schließen dient uns nicht. Sie dient denjenigen die wie die LAW’s Politik betreiben und eine weiße Weste tragen wollen.

„selbstverständlich bevorzugen wir ein leben im relativen Wohlstand in der Schweiz, und auch wir sehen die Vorteile, die eine so genannte Demokratie gegenüber einer Diktatur bietet“(Die Libertäre Aktion Winterthur – Deine Ansprechpartnerin für anarchistische Theorie & Praxis

Dass in der heutigen Zeit viele AnarchistInnen gegenüber von Gewalttätigen Aktionen sich anscheissen ist mehr mit ihrer sozialen Inexistenz verbunden als dass die Repression so weit wie Scheiße spritzt und ihre Weiße Westen beschmutzen. Nicht zu vergessen ist auch der Fluch den AnarchistInnen mit sich tragen. Denn der Bomben werfenden. Was aber vielen in die Hand spielt, weil sie selber das Bild der guten und schlechten oder besser gesagt guten und bösen AnarchistInnen reproduzieren.

Die Liebe einiger AnarchistInnen zur der revolutionären Tat ist blind, ein Amour Fou. Wer kann so was verstehen bzw. teilen wenn er noch nie außerhalb der Regeln der Welt wo alles nur eine Ware ist, wo das Kapital alles bestimmt, jemals verliebt war.
Denn der Alltag im Elend bringt um, aber viel quälender ist der Hinblick auf ein leeres inhaltsloses Leben wo nur die belehrende Politik der Linksradikalen herrscht. In der linken Welt blieb die Zeit vor langem stehen. Es bleibt nur noch das bestehende Warten auf irgendetwas. Die Vermischung von pfaffigen Militanten und militanten Pfaffen ist nicht mehr zu unterscheiden. Die Moral des guten und des bösen siegte vor langem im linken Delirium.
Ein moralischer Diktum wo die Disziplin an die „gerechte Sache“ (jongliert wird da mit vielen Wörtern wie Revolution, Befreiung…), zu opfern ist. Egal ob mit Blumen im Haar oder mit Knarren im Bund, egal ob gewaltfrei oder gewaltbereit, der steinige der Märtyrer findet immer wieder neue Anhänger die sich im Altar der „gerechten Sache“ opfern werden lassen. Wie die Ballspieler der Maias werden sie sich freiwillig die Herzen rausreissen lassen und werden dabei nur an eins denken, „politische Korrektheit sei Dank, dass ich mein Herz Links trage und mein Blut Rot ist.“

„In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, im eigentlichen die Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen.“(Marx, Thesen über Feuerbach)

Direkte Aktion, Sabotage, Anschläge, Scheiß Wortspielerei. Gewalt ist immer anwesend. Wenn Proleten und ihre Geschwister die Rowdys sich entscheiden an ihren Arbeitsplätzen Sabotagen zu machen, ist dies ein Akt der Gewalt. Gewalt weil diese ein Riss innerhalb des sozialen Friedens der Bourgeoisie verursacht. Eine wichtige Tat um von den Klauen der durch die Arbeit verursachte Entfremdung los reißen zu können. Für so eine Tat, gibt es eine Reaktion wenn sie häufig stattfindet. Z.B., Entlassungen und Anzeigen. Dies ist die Repression der Chefs. Sollen jetzt die Verantwortlichen an die Wand genagelt werden, weil dies andere betrifft die vielleicht auch entlassen werden?
Da der Arbeitsplatz, die Schule, die Gefängnisse keine abstrakten Orte im Alltag sind, sind sie alle denselben gesellschaftlichen Mechanismen untergeordnet. Wenn’s nicht spurst, dann spürst.
Gruppen wie die LAW vermeiden meistens allergisch von Grund auf gewisse Bereiche dieser Gesellschaft. Wie verhalte ich mich gegenüber meinen Chef, Schließer, Lehrer? Bin ich solidarisch gegenüber anderen die fertig gemacht werden? Kämpfe ich selber, gegen die Unterdrückung die ich andauernd erleiden muss? Unterschriften gegen die Verantwortlichen sammeln, damit sie im besten Fall versetzt werden und anderswo weitermachen? Oder andere Wege einleiten?
Diese Orte, genauso wie alle anderen, spiegeln unser Handeln als AnarchistInnen jeden Tag.

Im Falle der Repression, gleicht für die meisten Linke ein Gefängnis der Hölle. Denn dort finden sie alles was sie nie sein wollten. Kriminelle, Lumpen, Junkies, Rebellen, Schläger, Immigranten, Huren, … jene die ohne Scham und Ruhm spüren müssen.
Wie die Lohnarbeit, sind Gefängnisse wichtige Schlüsselpositionen dieser Gesellschaft. Es ist daher bequemer sich im politischen Ghetto zu verschanzen. Keine Arbeitsstelle wird hier verehrt und keine Zelle angebetet. Zu stark erinnern diese Orte an eins, die Sehnsucht nach der Abschaffung der Klassengesellschaft. Es ist der Hass, diese Ketten tragen zu müssen, die den Lauf für die klassenlose Gesellschaft ernähren lässt.
Daher auch dieser uneingeschränkte Hass der Linke an Repression und an jene die mit viel Risiko diese Orte in den Vordergrund ihrer Realität bringen, ohne eine Ideologie, einen Fetisch oder einen Glauben daraus machen zu wollen.

„(…)Manipuliert oder nicht, aus Verinnerlichung und Pawlowscher Reaktion heraus oder nicht, aus Angst vor der Peitsche der Herren oder nicht, die politischen Kommissare des Anarchismus führen effektiv die Direktiven, Aufgaben und Manipulationen der staatlichen Repressionsdienste innerhalb der anarchistischen Bewegung und allgemeiner der Befreiungsbewegung aus.
(…)
Es handelt sich um einen kritischen Sättigungspunkt, wo mehr denn je nur noch zwei Alternativen offen bleiben, entweder das freiwillige Schweigen der reaktionären Hetze innerhalb der Bewegung oder die Feststellung, dass zwischen dieser Hetze und den verschiedenen revolutionären Ausdrücken der Bewegung die vollständige Unvereinbarkeit erreicht worden ist.(…)“ (Marco Camenisch, März 2004, Zitat der Hunde Pawlows, den Unschuldigen vom Dienst ( http://www.megafon.ch/html/index.php))

Im Disput zu der Aktion der FAI(Informale), ist Kritik angebracht. Kritik die sich nicht von den Berichterstattungen der Medien blenden lässt, oder welches den Schutzmantel der Anerkennung sucht.
Es darf aber nicht vergessen werden wie wichtig die Antwort auf Repression ist. Nicht nur auf Gefängnisse, sondern auch diejenigen die sie aufrecht erhalten.

„Proteste sind eine Mode, einige kommen andere gehen. Es gibt ein Alter um anzufangen und eines um aufzuhören. In was für scheiß Tage müssen wir leben. Alles ist nur Dreck und Bequemlichkeit. Tausende von Menschen gehen auf die Straße, nur durch die Medien und das Fernsehen ist ihr Bewusstsein erweckt worden. In was für scheiß Tage müssen wir leben. Alles ist nur Dreck und Bequemlichkeit. Was sollen wir machen, weder Propaganda noch Gewalt haben was geändert, daher mach was du machen musst. In was für scheiß Tage müssen wir leben. Alles ist nur Dreck und Bequemlichkeit.“(Lied von einer Punk Band)

Wenn Freiheit nicht anderes ist als der höchste und radikalste Ausdruck von Verantwortung, dann sollte dies auf allen Ebenen des Leben des Individuums vorhanden sein.
Jedes Individuum ist für das was es macht verantwortlich, genauso wie für was es nicht macht. Größer wird diese Verantwortung zu sich selbst und zu anderen wenn diese kollektiv ist.
Davon heutzutage zu reden ist etwas weit gegriffen, denn es gibt keine kollektive Verantwortung. Sie kann nur innerhalb unserer Affinitäten stattfinden. Innerhalb dieser kann und wird sie wachsen, aber sie wird immer verstümmelt und begrenzt bleiben, immer solange unsere Leben durch jede Form von Herrschaft und Unterdrückung beeinflusst und bestimmt werden.

Die demokratischen Ideologien zerstückeln die Verantwortung. Eine Stimme, eine Verantwortung. Meine Freiheit, fängt dort an wo die deine aufhört…

So ist es nicht, wie wir es als AnarchistInnen wollen. Denn diese Verantwortung über dass was sie machten und nicht machten, hatte die Gruppe der FAI(Informale) welche die Briefbomben verschickte. Sie und alle anderen. Sie haben es auf eine unglaubliche Art und Weiße verkackt. Es hätte niemand verletzt werden sollen. Dies zu sagen, dies zu kritisieren ist wichtig als denkende und handelnde Individuen. Denn dies ist kein moralisches Spiel. Es ist eine Herausforderung.
Was genauso beschissen, und vor allem feige ist, ist der Text der Libertären Aktion Winterthur.
Die Verantwortung der Aktionen der FAI(Informale) trägt nur die eigene FAI(Informale). Sie wissen es, die Polizei weiß es, der Richter weiß es, sogar die Verletzten wissen es. Die einzigen die es nicht zu wissen scheinen sind die Mitglieder der LAW. Denn sie kritisieren nicht die Aktion aus ihrer Sicht, was aber aus der Sicht kritischer Individuen sehr wichtig ist. Sie tun es innerhalb moralischer Werte und sie sprechen im Namen des Anarchismus.
Was jeder einzelne macht, ist im Namen dieses einzelnen, aber nicht im Namen von irgend wen, oder in diesen Fall im Namen aller AnarchistInnen.
Dies hat nichts mit Verantwortung, mit Freiheit oder irgendetwas zu tun.

Nicht diejenigen AnarchistInnen die über die Revolution lange reden, sondern diejenigen die für eine sofortige Revolution leben, widerspiegeln diese in ihren Leben. Für diese Tätigkeit, konnte noch nie auf die Linke, radikalen Basisgewerkschaften und noch weniger auf Gruppen mit dem Schnitt der LAW gezählt werden. Welche leider für viele als ein Beispiel zum nach machen gelten. Aufgrund dieser Realität, gibt keine mögliche Annäherung an diese reformistische Gruppen, kein gemeinsames Handeln, keine gemeinsame Barrikade.
Während einige den Anarchismus als eine Spannung für ihre Leben verstehen und ausleben, werden Reformisten die Anarchie nie verstehen. Genauso wenig ihre Revolution, welches als eine sofortige Handlung stattfindet. Nicht sofortig im Sinne eines einmaligen Erlebnisses, sondern als eine tägliche Leidenschaft und Herausforderung.
Dies und nur dies ist der Grund, warum sie hinter den Barrikaden ihrer Gruppenkürzel und Kritiken alles angreifen was ihre Untätigkeit spiegelt.

Wir sind revolutionär, weil wir die Revolution jetzt wollen.

Mit viel Geschmack und Lärm wird über die Erziehung gekaut welche dem Proletariat, den Frauen, den Schwulen oder egal auch wem, fehlt. Ihr Denken und vor allem ihre Praxis (dass der Linken und deren anarchistische Ableitungen) verstehen nur von Stiegen (Treppen auf Deutsch). Es sind dann auch diese welche ihr Denken und ihr Handeln begrenzt. Stiegen aufsteigen, wie im Sinne von Etappen machen. Zuerst die eine, dann die andere… Wissenschaftliches Denken im Einklang mit der eigenen Ideologie. Dies alles heisst, zuerst die starke Organisation, dann die Leitung der revolutionären Subjekte und als letztes die glorreiche Revolution.
Sie wissen nicht was es bedeutet heute im jetzt als AnarchistIn zu leben, aber sie wissen ganz genau welche Farbe die Kaugummis, wie die Sexualität, etc. der morgigen klassenlose Gesellschaft aussehen werden.
Diese sind die AnarchistInnen die wissen was für alle gut ist und daher auch wissen was für alle AnarchistInnen schlecht ist. Wie Jede Kirche, braucht auch diese einen moralischen Oberhaupt, sowie gesunde Feinbilder um ihren eigenen Dreck nicht erscheinen zu lassen. Jetzt wissen wir warum die Kutten der Pfaffen braun sind.

„Die Frage ist nicht, was dieser oder jener Proletarier, oder sogar die Gesamtheit der Proletarier im Augenblick als ihr Ziel betrachtet. Die Frage ist, was das Proletariat ist, und was es als Folge seines Wesens zu tun gezwungen ist.“ (Marx/Engels, die heilige Familie)

Wenn die Kämpfe die sie führen, parallel zu ihrer Organisation, wachsen würden, Stiege nach Stiege, hätte dann nicht vor langer Zeit die Sozialdemokratie die Welt nicht nach ihrem Eigenbild, das Paradies von Adam und Eva, schon verändert?
Für die Linke, von der die meisten AnarchistInnen nicht ausgeschlossen sind, setzt im Laufe ihrer Geschichte immer auf die Quantität ihrer Reihen anstatt als auf die Qualität der Praxis von Individuen. Daher kann die soziale Revolution, was nichts anderes wäre als ein gewaltiger Umsturz der jetzigen Gesellschaft – wo die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen herrscht – nur erst dann stattfinden, wenn die Anzahl des Proletariat, eingereiht innerhalb der eigenen politischen Avantgarde, eine kolossale Menge ausmacht.
Weder ihr Klassenbewusstsein, welches nur durch ihre Autonomie ausgedrückt werden kann, zählt. Nur die Nummer der aktiven Mitglieder.
Oder um es in der jetzigen Linken Sprache auszudrücken; Militante und AktivistInnen. Bzw. militante AktivistInnen als beste Symbiose der Sklaverei der linken Ideologien…
Es zählt nicht mehr der Wunsch des Proletariats seine eigenen Ketten, als ein Ausdruck ihrer Knechtschaft, zu brechen, sondern die Menge dieses. Neue Ketten werden im glühenden Feuer der Ideologie geschmiedet um sie den politischen Subjekt, von dem alle reden, neu anzulegen.
Da dies älter ist, als die jetzigen sozialen Bewegungen, wird dies morgen geschehen, genauso wie es gestern geschah und es heute geschieht. Und wie ein böser Kater, wird auch dieser irgendwann vorübergehen, denn die revolutionäre Tat, Ausdruck der Autonomie der Habenichtse, wird niemals erlöschen.

FÜR DIE anarchie, FÜR spontane ABENTEUER, für die revolutionäre NEUGIER und GYMNASTIK und vor allem FÜR die SPIRALE der SPANNUNG zwischen konspirativen AFFINITÄTEN!

PS: Die Antwort, oder wenn es so betrachtet werden soll, dieser Beitrag hat zu lange gebraucht um einen Weg auf die Straße zu finden, in Wien dauert alles länger. Als einen Haufen von Proleten fehlt es uns nicht an Bewusstsein, daher werden von Heute an auch unsere Fäuste schneller und häufiger sich ausdrücken. Wir erdulden weder noch Spitzel, Denunzianten, Opportunisten, Schwätzer und vor allem Heuchler oder Sensationspresse wie jene von der die Linke gerne Gebrauch macht. Wir wissen auf welcher Seite der Barrikade wir stehen und welche unsere Verbündete sind.
Eine tiefere Auseinandersetzung mit der FAI(Informale) und allen die aus dem Aufstand und der Informalitaet eine neue Ideologie schmieden, ist ein eigenes Thema. Wäre hier auch zu viel gewesen.

„Um einen guten Grund zu haben, müssen wir wissen, was wir tun, denn für den Anarchismus, für die AnarchistInnen gibt es keinen Unterschied zwischen dem, was zu tun ist und dem, was man denkt, sondern es gibt ein ständiges Zusammenfließen zwischen der Theorie und der Aktion und umgekehrt.“(Alfredo Maria Bonanno, die anarchistische Spannung)

Aus Indymedia Schweiz

LAW & Gedankenpolizei
Verfasst von: Denk&Error. Verfasst am: Fr, 31.12.2010 – 19:21.

Es ist ein genialer schachzug den eigenen genossen in den rücken zu schiessen nur dammit man sich einen
moralischen heiligenschein aufsetzen kann.
ja vieleicht habt ihr ja recht und sie sind moralisch zuweit gegangen…
doch seid ihr das nicht auch?
mit eurem pauschalen schuldzuschieben?
ist rufmord moralisch vertretbar?
und was ist moral?

Moral?

moral entfremdet die menschen voneinander und treibt sich zwischen sie wie ein keil. er bietet eine art zu beurteilen, zu trennen in gut und schlecht.
und hier beginnt der von euch so belächelte antiziv. auch bereits.
die entfremdung die uns trennt wie das gesetz die “guten” von den “bösen”
und ihr bestimmt das urteil.
ein urteil gegen alle die noch kämpfen auch gegen jene die es aus purer verzweiflung tun.

nun nochmals zum antiziv:
ihr wollt also jeglicher umweltthematik im anarchismus die berechtigung absprechen?
ist es besser dogmatisch am kampf gegen den klassenfeind weiterzubasteln?
ist es so verwerflich die entfremdung, die arbeitsteilung und so weiter anzugreifen?
ist es falsch das problem radikal an der wurzel(=radix -für jehne die es gerne vergessen) zu greifen?
der kapitalist wird die menschheit nicht ausrotten, doch der genforscher hat unser todesurteil bereits beschlossen. Solidarität mit allen kämpfenden drinnen und draussen.

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  1. Sowie die CNT, Conferedation National du Treball, die aber eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Frankreich ist und keine Hip Hop Crew. []
  2. Dieses Argument, neigt der historischen Ignoranz, da entlang des Geschichte des Kampfes gegen den Staat, es immer wieder Individuen gab, die der konspirativen und gewaltigen Aktion eine wichtige Resonanz zu geben wussten. []
  3. Anonym, Su alcune veechie questione d’attualita fra gli anarchici, e non solo []
  4. Gladio, war eine von der NATO gegründete geheime Organisation, um revolutionäre Strömungen und Gruppen in Natomitgliedsländern zu bekämpfen. Viele Anschläge in Italien, die der Strategie der Spannung zugeordnet wurden, wurden von der Gladio koordiniert. []
  5. Bei der Strategie der Spannung handelt es sich um durchgeführte Aktionen von staatlichen geheimen Organisation oder faschistischen Gruppen (die vom Staat unterstützt werden) wo Anschläge an öffentlichen Orten verübt wurden. Die Zahl von Todesopfern war immer groß, wie es der Fall in Italien auch war. Diese Anschläge sollten infolge revolutionären Gruppen in die Schuhe geschoben werden, damit die Regierung die öffentliche Meinung auf ihre Seite hat, um die Repression gegen den proletarischen Ansturm stärken zu können und diesem einen Ende setzen. []
  6. Gianfranco Sanguinetti, Del Terrorisme e dello Stato. La Teoria e la practica del terrorismo per la prima volta divulgate []
  7. Der zwar Gewalt nicht kritisierte, sondern mehr wie sie ausgeübt. Auch wenn er nicht immer mit den Aktionen von GefährtInnen übereinstimmte, entsolidarisierte er sich niemals mit den Gefangenen. []
  8. Hier wird nicht angedeutet, dass sich AnarchistInnen zwischen einem Magnum Revolver oder einer Heckler und Koch Pistole entscheiden sollen. Kritik ist eine Waffe, Wörter sind es, ein Leben im Aufstand gegen jede Unterdrückung ist eine Waffe. []
  9. Friedlich zu sein, wird als die absolute Akzeptanz eines Lebens, wo Gewalt alles beherrscht verstanden. Indem sie nicht bekämpft wird, sondern mit einer absoluten Passivität ertragen wird, ist es besser von den Bullen zusammengeschlagen zu werden als zu verhindern, das dies jemals wieder passieren wird. []
  10. Nico Jassies, Marinus van der Lubbe en de Rijksdagbrand, 28. Februar 1933 []
  11. Unbekannt, Severino di Giovanni, Il pensiero e l’azione []
  12. Antonio Tellez, Sabate, Stadtguerillia in Spanien nach dem Bürgerkrieg 1945-1960 []
  13. Juan Garcia Oliver, katalanischer Anarchist. Setzte sich für die Militarisierung der anarchistischen Milizen während des spanischen Bürgerkrieges ein. So wie andere führende Positionen innerhalb der libertären Bewegung, befürwortete er die eine antifaschistische Einheit mit bürgerlichen und autoritären Parteien, als die von dem Proletariat führende soziale Revolution konsequent zu unterstützen. []

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